Altmark: Was tun, wenn man im Alter krank und auf Hilfe angewiesen ist?

Kommentar: Alt und krank darf man nicht werden.

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  • Ulrike Meineke
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Altmark. Wer in der Altmark alt und krank wird und auf dem Land lebt, hat schlechte Karten. Konsum, Arzt, Bank, Post – gibts nicht in den kleinen Dörfern. Die Alten und Kranken sind auf Hilfe angewiesen, wenn sie Wege zu erledigen haben. Dann halten ihre Kinder als Chauffeure her.

Wenn die nicht auswärts arbeiten oder ganz woanders leben. Ansonsten bleibt der Nachbar oder ein Bekannter. Wenn der Nachbar bzw. Bekannte nicht selbst alt und krank ist und noch Auto fahren kann.

Da ist es schon ein Highlight, wenn das Bäcker- oder Fleischer-Auto im Dorf hält. Ein wichtiger Termin für die alten Leute, die sich mit dem Rollator zum Haltepunkt quälen, nachdem vielleicht der Pflegedienst gerade vorbeigeschaut hat.

Alte Bäume verpflanzt man nicht, heißt es, und das ist wohl auch so. Wer sein Leben lang im eigenen Häuschen auf dem Lande gelebt hat, dem wird es schwer fallen, sich in der Stadt in einem Pflegeheim betreuen zu lassen. Niemand will auf Hilfe angewiesen sein, aber es kann eben jeden treffen.

Bleiben die Angehörigen, die Kinder, die aber zumeist erkannt haben, dass das Leben auf dem Land immer öder wird, weil Einrichtungen der Daseinsfürsorge nach und nach gestrichen werden. Sie schauen am Wochenende nach den Eltern oder Großeltern und fahren Sonntagabend mit einem beklemmenden Gefühl wieder Richtung Stadt.

Ja, sie haben auch nur dieses eine Leben und wollen es sich so schön wie möglich machen. Dazu gehört, dass man für einen Arztbesuch keinen Tagesausflug einplanen muss, dass man abends auch mal auswärts essen oder eine Kulturveranstaltung besuchen kann. Dass man die Kinder nicht kilometerweit durch die Gegend in die Schule kutschieren bzw. stundenlang in den Bus setzen muss, dass sie am Nachmittag zum Fußball oder Flötenunterricht kommen können.

Die Alten und Kranken bleiben allein zu Haus und hoffen, dass sie jemand findet, sollten sie hinfallen und nicht wieder hochkommen. Das sind keine trüben Aussichten, das ist auch keine Schwarzmalerei, sondern die Realität. Pflegedienste werden in Zukunft boomen und vermutlich auch Geschäftsideen, für Alte und Kranke Fahr- und Einkaufsdienste anzubieten. Man kann in der ländlichen Altmark alles werden – nur nicht alt und krank.

Von Ulrike Meineke

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