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Kommentar: Salzwedel abgehängt – Die Kanzlerin hat recht behalten

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Noch bis 30. November dieses Jahres ist die Postbank mitsamt Post an der Breiten Straße 34 in Salzwedel. Dann ist Schluss. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest.

Was wurde über unsere Kanzlerin gewettert, als sie sagte, dass Salzwedel zwar einen Bahnhof, aber den Anschluss verpasst habe. Das war vor sechs Jahren. Damals bezeichnete Angela Merkel die Baumkuchenstadt während eines Wahlkampfauftrittes in Süddeutschland als „abgehängt“. Ihre Worte bewahrheiten sich immer mehr. Jetzt macht auch noch die Hauptpost dicht.

Schon werden Stimmen laut, dass die Politik hier gefordert sei. Was soll die denn bewirken? Die Post bzw. die Postbank sind privatwirtschaftliche Unternehmen und wenn zu wenig Kunden zu wenig kaufen, wird eben zugemacht. So hat es die Sparkasse mit Filialen auf dem Lande gemacht, so macht es eine Dorfkneipe nach der anderen, so hat es die Deutsche Bahn mit der Strecke Salzwedel–Oebisfelde gemacht.

Wenn man sich mal überlegt, was in dieser abgehängten Stadt alles den Bach runter gegangen ist ... Auf dem Bahnhof gab es zuletzt nur noch einen einsamen Fahrkartenschalter. Der Bahnhof ist inzwischen Privateigentum, es bleibt abzuwarten, was draus wird.

Sinnbildlich für diese Stadt stehen nicht nur die leeren Schaufenster an der Burgstraße, die ganze Altperverstraße und das fast leergezogene Altmark-Center, wo die Kreisstadt auch einmal einen großen „Real“ hatte. Telekom, Woolworth, Benetton – hatte Salzwedel alles mal.

Und was soll die Jugend hier noch machen. Diskotheken wie die Pumpe, der Vollmond, der Speicher, das Lipsy – Kneipen wie Halligalli oder Sky – alles weg. Außer Billigläden hat Salzwedel nicht mehr viel zu bieten. Wer shoppen möchte, hat wenig Auswahl. Und wer woanders shoppen will, muss sich über mit Lkw verstopfte Bundesstraßen quälen. Oder mit dem Zug Richtung Uelzen bzw. Stendal fahren.

Apropos Stendal. Was Salzwedel Stück um Stück verloren geht, gewinnt die Rolandstadt dazu. In Sachen shoppen ist Stendal schon lange kein Geheimtipp mehr. Dort gibt es viele Modeläden, Kneipen, Angebote für die Jugend. Stendal ist eine aufstrebende Studentenstadt, wirtschaftlich stabil und kann auf weiteren Aufschwung durch die A 14 hoffen.

Worauf kann Salzwedel eigentlich hoffen? Auf Touristen, die die „grüne Wiese“ zu schätzen wissen. Da trifft der Werbeslogan „Altmark – Grüne Wiese“ schon den Kern. Und der Nachsatz „mit Zukunft“ lässt schließlich offen, wie die Zukunft aussieht.

Von Ulrike Meineke

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