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Kommentar: Im Internet ist höllisch aufpassen angesagt

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Von: Ulrike Meineke

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Geh mir ab mit Multimedia, winken viele ab – meist ältere Leute. Sie brauchen das nicht. Wenn sie jemanden anrufen möchten, nutzen sie das Haustelefon. Eingekauft wird vor Ort, die Überweisung mit Kugelschreiber ausgefüllt zur Bank gebracht – sofern noch eine in der Nähe ist.

Was jetzt gerade passiert, ist Wasser auf die Mühlen all derer, die Internet, WhatsApp, PayPal & Co. verdammen. Doch wehe dem, der gut vernetzt ist und nicht höllisch aufpasst.

Da liegen Rechnungen von der Telekom, dem Stromanbieter oder der Krankenkasse im E-Mail-Postfach – täuschend echt. So echt, dass man den Betrug auch auf den zweiten Blick nicht wittert. Und jetzt die Meldung: „Bankraub 3.0: Android-Trojaner räumt PayPal-Konten leer“. Der Trojaner hat im großen Stil PayPal-Nutzer ausgeraubt. Er wurde über Drittanbieter-App-Stores wie den Google Play Store verbreitet. Die Malware versucht nicht wie üblich, die Anmelde-Informationen zu stehlen, sondern wartet darauf, dass der Nutzer sich selbst einloggt. Die ansonsten sichere Zwei-Faktor-Authentifizierung wird umgangen, da die Opfer unbewusst selbst das Geld von ihrem PayPal-Konto an die Cyber-Gangster überweisen. Sie brauchen gerade einmal fünf Sekunden für den Diebstahl und die Transaktion von 1000 Euro.

Zusätzlich hat es die Android-Malware auf Kreditkarten-Informationen abgesehen. Die Täter versuchen mit Phishing-Masken, potenzielle Opfer zur Eingabe aller relevanten Karten-Informationen inklusive Sicherheitscode zu bringen, um reguläre Apps wie Google Play oder WhatsApp wieder freizuschalten. Mit der gleichen Masche wird versucht, auch an Zugangsdaten zu Gmail-Konten zu gelangen, um vermutlich durch das Löschen der PayPal-Transaktions-Bestätigungs-E-Mails länger unbemerkt zu bleiben.

Für Nutzer all dieser Dinge ist das mehr als beunruhigend, für Nicht-Nutzer sind das wahrscheinlich böhmische Dörfer. Generell sollten Anwender ihr Smartphone genauso schützen wie ihren PC, eine leistungsfähige mobile Security-Lösung sollte selbstverständlich sein, sagen Security-Spezialisten.

Aber: Ohne Internet geht es heutzutage nicht. Junge Leute können sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen, wie man früher ohne das world wide web überleben konnte. Kein Google, kein WhatsApp – man musste tatsächlich anrufen oder an der Haustür klingeln, wenn man eine Nachricht überbringen wollte. Oder einen Brief schreiben. Und man brauchte Nachschlagewerke aus Papier.

Das mag in vielerlei Hinsicht auch Vorteile gehabt haben, aber versperren kann man sich dem Multimedia-Zeitalter nicht. So bleibt nur, ganz gewaltig auf der Hut zu sein vor dem Tun der Cyber-Gangster, die immer raffinierter werden, denn ihnen kann man eben nicht mit der Bratpfanne hinter der Wohnungstür auflauern.

Von Ulrike Meineke

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