Gerstedter Feuerwehr fühlt sich von der Stadt nicht ernst genommen / Schlauchturm gesperrt

Kölner Papier soll Klarheit bringen

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Das 2001 gebaute Gerstedter Gerätehaus entspricht nicht den Unfallverhütungsvorschriften. Anfang Dezember sperrte die Stadt ohne Angaben von Gründen auch den Schlauchturm.

ann Klein Gerstedt / Salzwedel. Nicht nur, dass Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel auf die Einladung der Gerstedter Feuerwehr zu deren Jahreshauptversammlung am Freitag nicht reagiert haben soll, macht die Brandschützer unzufrieden.

Auch sonst lasse die Kommunikation zwischen Rathaus und den ehrenamtlichen Uniformierten vor den Toren der Hansestadt zu wünschen übrig. Dies wurde während der Zusammenkunft am Freitag deutlich.

Der Einzige, der sich den offenen Fragen der Brandschützer stellte, war Stadtwehrleiter Holger Schmidt. Der Ehrenamtliche konnte jedoch auf die brennenden Fragen keine genauen Antworten geben, da er keinen direkten Einfluss auf Entscheidungen der Stadt habe. „Ich habe keine Lösung für euch“, gestand Holger Schmidt ein.

Die brennenden Fragen – die betreffen sowohl den Anfang Dezember per E-Mail von Stadtmitarbeiter Mario Müller gesperrten Schlauchturm sowie das Gerätehaus, das nicht den Unfallverhütungsvorschriften entspricht. „In der E-Mail aus dem Rathaus war nicht konkret enthalten, aus welchen technischen Grünen der Schlauchturm nicht mehr von uns genutzt werden darf. Jetzt müssen wir die Schläuche zur Feuerwehrtechnischen Zentrale nach Salzwedel zum Trocknen bringen. Das kostet die Kameraden Freizeit“, kritisierte Gerstedts Wehrleiter Christoph Rodewohl. Dabei seien in den zurückliegenden Monaten und Jahren einige junge Männer in die Wehr eingetreten, die sich dem Ehrenamt mit Leib und Seele verschrieben haben.

Schmidt und die Gerstedter hoffen auf Klarheit zu diesem Thema im Brandschutzbedarfsplan, der von einem Ingenieurbüro aus dem Kölner Raum noch in diesem Jahr erstellt werden soll. Das Papier soll konkret festlegen, wo, wann und was in die Feuerwehren der Stadt Salzwedel investiert wird. Und da steht ganz oben auf dem Papier verständlicherweise die Salzwedeler Feuerwehr. Denn die Jeetzestädter hatten mit 255 Einsätzen 2017 den Löwenanteil von allen 433 Einsätzen im Stadtgebiet zu leisten.

„Das Ingenieurbüro schaut sich zum Erstellen des Brandschutzbedarfsplans jedes Gerätehaus an“, informierte Stadtwehrleiter Schmidt die beunruhigten Gerstedter. Für Ortswehrleiter Christoph Rodewohl sei es bedauerlich, dass die Stadt auch nach fünf Jahren keine Lösung für das äußerst beengte Gerätehaus anbietet. Nicht einmal ein konkreter Ansatzpunkt sei gefunden worden. „In der Stadt ist zum Thema Feuerwehr keine klare Linie zu erkennen“, bedauerte der Feuerwehrchef und ergänzte, dass das Brandschutzhilfeleistungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt seit Jahren umgangen werde. Was das im Jahr 2001 erbaute Gerätehaus in Gerstedt betrifft, seien die Räumlichkeiten so eng, dass beim Tragkraftspritzenfahrzeug beidseitig nur drei Zentimeter Platz bleiben, um es vom Stellplatz ins Freie zu fahren. Auch der Abstand von Fahrzeug zur hinteren Mauer ist geringer als einen Meter.

Nicht nur Stadtwehrleiter Holger Schmidt wartet auf den Brandschutzbedarfsplan der Stadt. Ob sich die Gerstedter darin so wiederfinden, wie sie sich das wünschen, bleibt derzeit völlig offen. Für die junge Wehr sei der jetzige Zustand des Gerätehauses und des Schlauchturms nicht förderlich. Zur Motivation und Gewinnung von bereits vorhandenen bzw. neuen Feuerwehrleuten würden diese Fakten nicht beitragen, ist sich Gerstedts Wehrleiter Christoph Rodewohl sicher.

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