4.300 Steine für eine Kirche

Klein Chüdener Gotteshaus wird im Frühjahr abgebaut

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Über die Kirche von Klein Chüden wird auch mit einer Infotafel informiert. Das Bauwerk rückt in den Blickpunkt von Experten, es soll ab Ende April abgetragen und im Freilichtmuseum Diesdorf wieder aufgebaut werden. 

Klein Chüden / Diesdorf – Das die kleine Kirche im Salzwedeler Ortsteil in das Freilichtmuseum Diesdorf umgesetzt wird, wurde vor Jahren als Idee auf den Weg gebracht. Details konnten inzwischen geklärt werden und nun sind Baufachleute gefragt.

Der Kreis hat veröffentlicht, was er als Auftraggeber erwartet. Was den Rohbau angeht, gilt es 4.300 Ziegelsteine zu reinigen, zu stapeln und zu transportieren. Sie sollen in Diesdorf wieder im alten Glanz erstrahlen. Das Gefachmauerwerk hat eine Fläche von 132 Quadratmetern.

Ebenfalls in dem kleinen Dorf zurückgebaut und später wieder errichtet werden sollen 208 Quadratmeter Lehmwandputz – soweit dies möglich ist. Wenn nicht, wird entsorgt. Auch Deckenbekleidungen kommen mit. Genauso wie die alten Biberschwänze, Konstruktionshölzer, Sparren, Stützen, Pfetten und Kopfbänder. Zuvor gilt es Markierungen zu machen, damit die einzelnen Teile ähnlich einem Baupuzzle wieder an die richtige Stelle kommen. Zu den Besonderheiten des Transportes gehören ebenso die Glocke mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern und sechs Fenster mit Festverglasung, die bei der Fahrt keinen Schaden nehmen soll. Die Arbeiten werden voraussichtlich am 29. April beginnen.

Bevor das Gotteshaus mit den vorhandenen Materialien in Diesdorf wieder neu entsteht, gilt es im Museum eine Baustraße zu errichten. Die Fachwerkaußenwände müssen nach einem Plan ausgelegt und nach der Nummerierung sortiert werden. Fachleute bewerten dann, wann noch verwendbar ist. Die alten Teile werden vor dem Einbau mit Leinöl behandelt. Bei dem Projekt ist historische Zimmermannsart gefragt. Das Dach umfasst eine Fläche von 95 Quadratmetern und besteht aus einer Biberschwanzdoppeldeckung. Die Kapelle wurde vermutlich um 1388 herum gebaut, es gibt jedoch bis 1700 keine Aufzeichnungen.

Das ehrgeizige Projekt wird insgesamt mehrere Monate andauern. Im Diesdorfer Freilichtmuseum gibt es aber Erfahrung mit dem Umsetzen von Gebäuden. Bis zum 30. September könnte ein Großteil der Arbeiten geschafft sein – so das Ziel. An der Stelle des Gotteshauses in Klein Chüden wird es grün. Denn der Altmarkkreis will auf dem Grundstück Rasen sähen lassen.

VON CHRISTIAN ZIEMS

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