Die Zukunft der Kliniken

Kinderstation in Gardelegen soll geschlossen werden

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Unter dem Leitmotiv „Wir für unsere Region“ soll bis zum Frühjahr 2022 ein Zielbild für die Ausrichtung der Altmark-Kliniken entwickelt werden.
  • VonLydia Zahn
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Die Pädiatrie, also die Abteilung für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, in Gardelegen soll geschlossen werden, teilte Landrat Michael Ziche gestern während einer Online-Konferenz mit.

Altmarkkreis – Michael Ziche war mit Jürgen Richter, einer der Geschäftsführer der Salus Altmark Holding (SAH), und Dr. Michael Schoof als Medizinischer Geschäftsführer des Altmark-Klinikums in Salzwedel zusammen gekommen, um über die Zukunft der Krankenhäuser in der Hansestadt sowie in Gardelegen zu informieren.

„Es konnten keine Fachärzte für die Pädiatrie gewonnen werden. So wird es nicht geschafft, die stationäre Kinderabteilung aufrecht zu erhalten“, erklärte der Landrat. Es „ist also - auch wenn noch kein Gremienbeschluss vorliegt - absehbar, dass die kinder- und jugendmedizinische Versorgung in Gardelegen ab Januar 2022 nur noch ambulant erfolgen kann“, ist auf der Internetseite des Altmark-Klinikums zu lesen.

Stationärer Bedarf in Krankenhäusern sinkt

Die Kardiologie in Salzwedel hingegen sei vor allem durch das neue Herzkatheterlabor eine der meist ausgelasteten Stationen, betonte Dr. Michael Schoof. Kooperationen mit solchen Fachzentren, wie zum Beispiel auch der akutneurologischen Behandlungseinheit Gardelegen in Vernetzung mit dem Salus-Fachklinikum Uchtspringe und dem telemedizinischen Netzwerk Annotem der Charité, sollen verstärkt werden. Denn der stationäre Bedarf sei gesunken.

Der Geschäftsführer des Altmark-Klinikums verwies darauf, dass immer mehr Erkrankungen ambulant behandelt werden könnten. Für Leiden, die zuvor einen hohen stationären Behandlungsbedarf hatten, verkürze sich die Verweildauer, während die Betreuung vor und nach einem Krankenhausaufenthalt wichtiger werde. „Diese Entwicklungen folgen den Fortschritten in der Medizin und sind erfreulich. Sie erfordern jedoch auch Anpassungen in unserem Leistungsspektrum und eine stärkere Vernetzung mit anderen“, sagte der Klinik-Chef. Dazu gehöre aber nicht nur die engere Kooperation mit anderen Häusern, sondern auch der Ausbau ambulanter Angebote mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten und eigene Schwerpunkt-Bildungen. „Um einen nahtlosen Behandlungsverlauf zu gewährleisten“, unterstrich der SAH-Geschäftsführer.

Fachkräftemangel auch in der Altmark

Ein weiteres Thema war der bundesweite Ärzte- und Fachkräftemangel, der auch in der Altmark zu spüren ist. Er konnte bisher jedoch mit „ausländischen Kollegen“ ausgeglichen werden, erklärte Schoof. Weil die erforderliche Erbringung von Leistungen der Assistenzärzte in Regionen wie der Altmark länger dauern würde als in größeren Krankenhäusern, würden die angehenden Mediziner meist dort ihre Karriere einschlagen. „Die Situation wird sich in absehbarer Zeit nicht entschärfen“, vermutet Schoof.

Um die bedarfsgerechte Patientenversorgung, Qualität und Wirtschaftlichkeit nachhaltig gewährleisten zu können, soll bis zum Frühjahr 2022 ein Zielbild für die zukunftsfähige Ausrichtung der Standorte in Salzwedel und Gardelegen entwickelt werden. Dabei werden die Mitarbeitenden, der Kreistag sowie Akteure aus Politik, Gesundheitswesen und flankierenden Bereichen mit einbezogen. Bei der Zielbild-Entwicklung geht es unter dem Leitmotiv „Wir für unsere Region“ um die aktive Gestaltung der regionalen Gesundheitsversorgung und dessen Wandel. „Um in unserem Flächenlandkreis auch künftig eine verlässliche Grundversorgung für alle Generationen gewährleisten zu können, sind ein verstärktes Miteinander der Standorte des Altmark-Klinikums sowie der weitere Ausbau von Kooperationen fachlich sinnvoll und wirtschaftlich notwendig“, fasste Ziche zusammen.

Anlässlich dieser Themen hat der Landrat für Montag, 22. November, einen Sonderkreistag einberufen. Er beginnt um 17 Uhr in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen in Salzwedel.

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