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Krankheitswelle: Salzwedeler Kinderarztpraxen sind ausgelastet, Medikamente nicht lieferbar

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Von: Lydia Zahn

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Krankes Kind
Die Infektionswelle spannt die Lage in Krankenhäusern, Kinderarztpraxen und Apotheken merklich an. © DPA

Eine Krankheitswelle, die gerade durch Deutschland rollt, macht auch vor dem Altmarkkreis beziehungsweise Salzwedel nicht halt. Die Grippe und Magen-Darm-Infektionen gehören zu fast jeder kalten Jahreszeit dazu. Und bis vor Kurzem hat Corona noch ganz vorne mitgespielt. Doch diesen Winter bereitet vor allem das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus) Probleme und Sorgen. Viele Kinder sind betroffen, an Schulen herrscht eher Schüler- als Lehrermangel, Kinderärzte sind überlastet und obendrauf kommen noch die Lieferengpässe von Medikamenten in Kinderdosierungen.

Salzwedel – In dieser Situation stellt sich die Frage, ob im Notfall die Versorgung gesichert ist. Laut Franka Petzke, Pressesprecherin der Salus Altmark Holding, sei der Krankenstand der Mitarbeiter im Altmark-Klinikum mit seinen Standorten in Salzwedel und Gardelegen derzeit nicht wesentlich höher als in den beiden Vormonaten, die Ausfallquote liege mit geringen Schwankungen bei etwa 7,7 Prozent.

„Bezogen auf das Krankenhaus in Salzwedel, sind von 440 Beschäftigten 36 erkrankt (Stand 8. Dezember). Allerdings handelt es sich hierbei um eine Momentaufnahme, angesichts des sehr dynamischen Infektionsgeschehens kann sich dies auch schnell mal ändern“, erklärt Petzke.

In Salzwedel sei die Lage in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie in der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie durch krankheitsbedingte Personalausfälle dennoch angespannt. Um den Betrieb so reibungslos wie möglich am Laufen zu halten, würden ausgewählte und planbare stationäre Behandlungen verschoben, „soweit dies aus medizinischer Sicht vertretbar ist“, schildert die Salus-Sprecherin. „Wir wissen, dass dies für Betroffene belastend sein kann. Es ist jedoch im Sinne einer sicheren Notfallversorgung nicht immer vermeidbar“, führt sie weiter aus. Die Versorgung und Aufnahme von Notfall-Patienten sei aber in allen Fachbereichen gesichert.

„Ärzte und Pfleger leisten Enormes“

Die größte Auslastung sei in der Kinderarztpraxis des Fachärztlichen Zentrums sowie der stationären Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Altmark-Klinikum in Salzwedel zu spüren. „Die Ärzte und das Pflegepersonal leisten Enormes, um die Versorgung sicherzustellen und dabei insbesondere Notfälle und schwer erkrankte Kinder schnell und bedarfsgerecht zu behandeln“, versichert Franka Petzke.

Was die Lage zurzeit aber noch zusätzlich belaste: Auch im Nachbarbundesland Niedersachsen komme es zu Engpässen in der pädiatrischen Versorgung. So seien schon Kinder aus Braunschweig und Hannover zur Behandlung in Salzwedel gewesen.

Deshalb sei es in dieser angespannten Situation besonders wichtig und notwendig, „die Notaufnahme auch nur für Notfälle – etwa bei akuter Atemnot – aufzusuchen, damit deren Versorgung gesichert werden kann“, verdeutlicht Petzke und weist darauf hin, dass die Eltern ihre Kinder in der Regel immer erst in eine kinderärztliche Praxis bringen sollten.

Und auch im Fachärztlichen Zentrum sei die Versorgungslage angespannt. Oft würden besorgte Eltern mit ihren erkrankten Kindern schon lange vor Sprechstundenbeginn warten, schildert Petzke.

Apotheker suchen nach Lösungen

Dieses angespannte Bild zeichnet sich auch bei den Apotheken ab. Fiebersäfte- und zäpfchen sowie antibiotische Säfte für Kinder sind zurzeit nur schwer zu bekommen. „Es herrscht zurzeit Mangel“, bringt es Apotheker Mathias Graf auf den Punkt. Er betreibt die Danneil-Apotheke in Kalbe und ist im erweiterten Vorstand des Apothekerverbandes des Landes Sachsen-Anhalt und für den Altmarkkreis Salzwedel zuständig. „Die Apotheken versuchen, den Mangel auszugleichen“, beschreibt er die Situation, doch das sei nicht immer einfach, denn manche Bestellungen würden einfach nicht ankommen, erzählt er.

Adler-Apotheken-Leiterin Kathrin Roth spricht von etwa 350 fehlenden Medikamenten, davon „etliche“ für Kinder. „Es ist ein Trauerspiel“, gibt sie offen zu und sieht die Ursache dafür in der Abhängigkeit vom asiatischen Markt.

Um die Lieferengpässe auszugleichen, würden die Apotheken in engem Kontakt mit den Ärzten stehen, um bei Bedarf von diesen das Rezept ändern zu lassen und so auf ein vorrätiges Ausweichpräparat umsteigen zu können, berichten beide Apotheker.

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