Zwei Angeklagte streiten jede Verantwortung ab – Polizei belastet beide

Keiner will Besitzer der Dose voll Marihuana sein

Salzwedel – Zwei Personen, ein Mann und eine Frau, gehen nachts die Kramstraße in Salzwedel entlang. Die Frau hält in der Hand eine große Dose. Als ein Streifenwagen vorbeifährt, werden beide nervös und die Polizisten misstrauisch.

Der Mann duckt sich und versteckt die Dose unter einem parkenden Auto. Als einer der Polizisten sie findet, entdeckt er darin 95,2 Gramm Marihuana, umgerechnet 11,1 Gramm reines THC (der Wirkstoff).

So könnte es sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar 2018 entlang der Kramstraße in Salzwedel zugetragen haben. Die beiden Protagonisten von damals, eine 41-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann, saßen am Dienstag im Salzwedeler Amtsgericht auf der Anklagebank. Der Vorwurf gegen sie: Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz – und das mit einer nicht geringen Menge.

Obwohl beide Angeklagten bereitwillig aussagten, unterschieden sich ihre Versionen voneinander und von der der beiden als Zeugen vorgeladenen Polizisten. Sie hätte keine Dose in der Hand gehabt, sondern eine Handtasche, sagte etwa die Frau. Ihr Begleiter hätte diese dafür unter der Jacke getragen und dann versteckt.

Die Anschuldigungen ließ der Mann nicht auf sich sitzen. Wie hätte er die Dose denn unter der Jacke tragen sollen?, fragte er in den Gerichtssaal und zog sich zum Beweis das Kleidungsstück an. Darunter sei gar kein Platz für einen großen, sperrigen Gegenstand. „Ich hatte vorher keine Dose, habe keine Drogen gekauft oder verkauft“, beteuerte der Mann.

Beide standen damals in der Nacht in einer Marihuana-Duftwolke, erinnerte sich einer der beiden Polizisten. Weil der 35-jährige Angeklagte später noch mit dem Auto fuhr, wurde ihm ein positiver Drogentest bescheinigt.

„Wenn ich schuldig wäre, würde ich auch so reagieren“, meinte die recht zappelige Angeklagte. „Sie hat Angst und will ihre Haut retten“, entgegnete der Mann.

Der zweite Polizist erwähnte, beim 35-Jährigen eine recht große Menge Bargeld gefunden zu haben, bei der Frau hingegen nichts – was auf eine Übergabe hindeuten könnte, hieß es weiterhin. Der Fall wird am kommenden Dienstag, 6. Oktober, ab 13 Uhr im Salzwedeler Amtsgericht fortgesetzt. hey

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