„Keine Strafe kann das wieder gutmachen“

Zwischen 110 und 120 Stundenkilometer soll die Geschwindigkeit des Renault betragen haben, als er am 9. September 2010 gegen die Lärmschutzwand am Schillerkreisel prallte.

Salzwedel. Kai P. wird beschuldigt, durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verschuldet und einen zweiten verletzt zu haben. So lautete gestern der Anklagevorwurf. Doch auch für Jugendrichterin Simone Schreiber und ihre beiden Schöffen war dieses Verfahren kein gewöhnliches. „Keine Strafe dieses Gerichts kann wieder gutmachen, was geschehen ist“, betonte die Richterin. Sie verurteilte Kai P. wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu acht Monaten Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt – zwei Jahre. Weiterhin wird P. der Führerschein entzogen. Erst nach zwei Jahren kann er eine neue Fahrprüfung ablegen. Dazu bezahlt er 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung und trägt die Kosten des Verfahrens samt Aufwand der Nebenklage.

Dem war gestern ein Gerichtsverfahren vorausgegangen, das klären sollte, was am 9. September 2010 geschehen war. Kai P. war mit seiner damaligen Freundin Franziska J. und Lisa N. mit einem Renault auf der B 71 unterwegs. Das Fahrzeug kam aus Richtung Jet-Tankstelle und hielt an der Ampel in Höhe Altmark-Center, Abfahrt Finanzamt. Neben ihnen stand ein VW Golf, in dem Grit H. und Katrin H. saßen. Die beiden erinnerten sich am gestrigen Verhandlungstag daran, dass der Wagen von Kai P. sie kurz darauf überholte, als sie in Richtung Kreisel Schillerstraße unterwegs waren. Beide Frauen sagten aus, dass P. mit hoher Geschwindigkeit auf der Tempo-60-Strecke fuhr. Der Gutachter stellte später fest, dass er zwischen 110 und 120 Stundenkilometer gefahren ist.

Der Renault überholte den Golf in Höhe der Aral-Tankstelle. Dem folgte eine ruckartige Lenkbewegung von P. nach rechts, der Wagen drehte sich, krachte gegen die Lärmschutzwand, prallte aufgrund des Tempos ab, stieß wieder gegen die Wand und schließlich gegen ein Verkehrsschild. Die Geschwindigkeit soll dabei laut Gutachten noch immer zwischen 80 und 90 km / h betragen haben. Maik P. und Lisa N. wurden verletzt. Franziska J. starb wenig später im Uelzener Krankenhaus.

Im Gericht sagte P. aus, dass er keine Erinnerung an den Unfall habe. In den Tagen danach hat er sich bei Lisa N. entschuldigt. Bei der Mutter der Verstorbenen meldete er sich nicht. Lisa N. habe ihm gesagt, das sei nicht gut, so P. Die Staatsanwältin und die Vertreter der beiden Nebenklägerinnen kritisierten, dass er „keine Courage gezeigt hat, sich zu melden“. Maik P. betonte gestern im Gerichtssaal gegenüber der Mutter, dass es ihm leid tue.

Ein Verfahren, das trotz der nüchternen Anklageschrift viele Emotionen in sich trug. Was auch Richterin Simone Schreiber hervorhob. „Zur Entschuldigung wird sich das Gericht nicht weiter äußern“, merkte sie an. „Eine besondere Schwere der Schuld ist im Jugendstrafrecht nicht üblich. Doch hier ist sie festzustellen“, erklärte Schreiber. „Sie sind nicht zu schnell gefahren, sie sind gerast“, betonte die Richterin.

Von Andreas Köhler

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