Stadtrat lehnte Umzug ab und erwartet von Händlern besseres Angebot

Keine Markt-Experimente

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Wochenmarkt auf dem Salzwedeler Marktplatz im April 2009: Seitdem sind immer weniger Händler dorthin gekommen.

Salzwedel. Der Salzwedeler Wochenmarkt erhitzte am Mittwochabend die Gemüter der Stadträte im Foyer des Kulturhauses. Die SPD wollte auf Bitten der Händler den Dienstagsmarkt vom Marktplatz an die Breite Straße verlegen. Und zwar probeweise ab 1. März für ein halbes Jahr.

Hintergrund: Die Beschicker klagen über zu wenig Kundschaft am ihrer Meinung nach abgelegenen Marktplatz. An der Breiten Straße, wo auch der Samstagsmarkt sein Domizil hat, wäre mehr Laufkundschaft und dadurch ein höherer Umsatz möglich.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Stadtrat lehnte den Umzug an die Breite Straße ab. Dr. Ulrich Ungewickel (FDP) wiederholte sein Argument aus dem Verkehrsausschuss: „Ein Markt lebt von seinem Angebot, sonst werden die Händler die Kunden auch an der Breiten Straße nicht bekommen“, meinte der Freidemokrat. Eine ähnliche Auffassung vertrat auch Karl-Heinz Reck (Freie Liste). „Es sind nur 150 Meter von der Breiten Straße zum Marktplatz. Wenn man weiß, dass dort ein attraktives Angebot ist, geht man die paar Meter auch dorthin“, so Reck. Und weiter: „Mit dem gleichen Angebot nur an die Breite Straße ziehen – dann muss ich den Antrag ablehnen. Die Beschicker müssen es schaffen, dass die Kunden zu ihnen kommen.“

Ratsherr Dirk Jentschke (Bürgerbund / Grüne) hingegen machte deutlich: „Ein Markt in der Innenstadt muss sein.“ Auch SPD-Fraktionschef und Antragsteller Norbert Hundt tendierte in diese Richtung. Im Prinzip stimme er mit Karl-Heinz Reck überein. Aber: „Wir sollten probieren, ob wir mit einem attraktiveren Standort nicht auch ein attraktiveres Angebot bekommen.“

CDU-Fraktions-Vize Reinhold Butze platzte der Kragen: „Wir haben für 700 000 Euro einen Marktplatz gebaut, der alle technischen Möglichkeiten bietet. Die Standgebühren liegen bei 3,50 Euro pro laufenden Meter. Wenn es nicht klappt, hat das nichts mit dem Standort zu tun.“ Dieser Position schloss sich auch FDP-Fraktionschef Sascha Gille an: „Wir probieren es doch schon Woche für Woche, jeden Sonnabend an der Breiten Straße. Ich sehe dort keinen Unterschied zum Dienstagsmarkt auf dem Marktplatz“, pochte auch er auf ein besseres Angebot der Beschicker. Holger Lahne (SPD) und Arne Beckmann (Salzwedel-Land) hingegen wollten die Testphase.

Oberbürgermeisterin Sabine Danicke macht noch auf ein anderes Problem aufmerksam: „Es gehen nicht alle Händler mit an die Breite Straße. Einige bleiben auf dem Marktplatz.“ Attraktivität, die Toilettenfrage an der Breiten Straße sowie der Vertrag mit der Werbegemeinschaft über die Nutzung des Marktplatzes, waren weitere Argumente, die das Stadtoberhaupt ins Feld führte.

Zuvor hatte Rosemarie Lehmann in der Einwohnerfragestunde gefragt: „Wir haben ein Sondernutzungsrecht an der Breiten Straße, das bei Veranstaltungen außer Kraft tritt. Ist das dann auch so bei jedem Wochenmarkt?“

Auch Jost Fischer, Chef der Werbegemeinschaft, wurde zur Sache gehört. Er berichtete, dass einige Händler an attraktiverer Stelle – also der Breiten Straße – nach Salzwedel kommen würden. Dann jedoch unter einer Bedingung. Fischer: „Wenn sie kommen, dann müssen sie dienstags und sonnabends ihre Stände aufbauen.“

CDU-Mann Lothar Heiser sprach als letzter zum Thema und brachte es auf den Punkt: „Die Leute gehen donnerstags zum Bauernmarkt. Der Wochenmarkt? Der wird sich auch an der Breiten Straße totlaufen.“ 16 weitere Stadträte – die Mehrheit – folgten seiner Meinung und lehnten das Umzugsexperiment ab.

Von Holger Benecke

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