Neubau der Amerika-Linie: Der Salzwedeler Hauptbahnhof

Keine Leichen im Tunnel

Der alte Bahnhofstunnel im Salzwedeler Hauptbahnhof wurde geöffnet und anschließend abgerissen.
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Der alte Bahnhofstunnel im Salzwedeler Hauptbahnhof wurde geöffnet und anschließend abgerissen.

Altmark. Der Neubau der Amerika-Linie: Nach der Grundsteinlegung am 24. April 1993 bei Hestedt begannen kurze Zeit später die ersten Arbeiten zum Ausbau der 107 Kilometer langen Strecke Stendal-Salzwedel-Uelzen.

Kaum vorstellbar bei so viel Erdarbeiten, dass dort nur Gleisanlagen entstehen.

Bereits am Anfang der Realisierung des „Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 3“ stand fest, dass wegen fehlender finanzieller Mittel zunächst nur eingleisig und elektrifiziert gebaut wird.

Teil 2

Über die Jeetze in Salzwedel wurde eine neue Brücke errichtet. Im Gegensatz zum eingleisig abgespecktem „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 3“, bietet der neue Viadukt Platz für zwei Gleise.

In Containerbauweise wurde in Salzwedel neben der heute ehemaligen Güterabfertigung ein elektronisches Stellwerk errichtet. Alle überflüssigen Gleisanlagen wurden abgebaut. Über die Jeetze in Salzwedel musste eine neue zweigleisige Brücke errichtet werden, da das alte Bauwerk nicht mehr den Anforderungen entsprach.

Der neue Bahnhofstunnel: Moniereisen dominiert die Baustelle.

Auch der Salzwedeler Bahnhof wurde komplett umgekrempelt. Alles, was der Modernisierung im Weg stand, verschwand. Zur Sicherheit der Reisenden mussten die neuen Bahnsteige (Gleis 1 bis Gleis 4) einen Bahnsteigtunnel erhalten. Der vorhandene Tunnel war nach dem Bombenangriff am 22. Februar 1945 nicht mehr nutzbar und musste entfernt werden. Spektakuläre Leichenfunde, wie sie immer vermutet wurden, gab es allerdings nicht.

Für Triebwagen nach Oebisfelde wurde während der Bauarbeiten ein Inselbahnsteig eingerichtet. Der provisorische Zugang erfolgte in Höhe des ehemaligen Bahnhofhotels.

Der Baukran für den Tunnelbau war weithin sichtbar. Der Tunnel wurde im Mai 1997 abgerissen, um Baufreiheit für die neuen Gleisanlagen zu bekommen. Für die Triebwagen nach Oebisfelde gab es einen Inselbahnsteig mit einem provisorischen Zugang in Höhe des ehemaligen Bahnhofshotels.

Blick von der Ritzer Brücke auf die neue elektrifizierte Strecke nach Stendal.

Der Gleisbau und das Errichten langer Bahnsteige im Salzwedeler Bahnhof – ein ICE kann dort halten – nahmen Gestalt an, die alten Stellwerke waren verschwunden, der neue Tunnel mit Aufzügen fertig gestellt. Auch auf niedersächsischer Seite wird nun emsig gebaut. 1997 rollen die ersten Elektroloks zwischen Salzwedel und Stendal. Nach Uelzen dauert es noch etwas.

Von Bodo Habermann

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