Landgericht Stendal setzt Gefängnisstrafe zur Bewährung aus / Opfer zeigt sich versöhnlich

Keine Haft nach Messerattacke

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Der Angeklagte (l.) wurde vom Landgericht Stendal verurteilt, weil er seine Frau lebensgefährlich verletzte. 

cha Stendal / Salzwedel. Weil ein Mann die Scheidung von seiner Frau nicht akzeptieren wollte, ist er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Diese Entscheidung fällte am Donnerstag das Landgericht Stendal.

Die Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung wurde zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren ausgesetzt.

Aus dem Gericht

Über den Verlauf des Tathergangs waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Vorsitzender Richter einig (AZ berichtete). Der Angeklagte soll sich in der Nacht des 17. Juli 2017 Zutritt zur Salzwedeler Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau verschafft haben. Aus der Küche soll er sich dann ein Messer genommen und sich damit in das Schlafzimmer der 29-Jährigen begeben haben, indem diese gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter schlief. Dann soll er der Frau das Messer an den Hals gehalten und diese mit den Worten „Willst du, dass ich jetzt dein Leben beende, oder willst du dich von mir scheiden lassen?“ massiv bedroht haben. Die Frau soll davon erwacht sein und sich zur Wehr gesetzt haben. Im Gerangel soll der Afghane dann zugestochen haben.

Dabei wurde die 29-Jährige lebensgefährlich am Rücken verletzt, sie erlitt zudem mehrere Stich- und Schnittverletzungen. Dann soll der Täter seinen im selben Haus lebenden Sohn dazu aufgefordert haben, einen Krankenwagen zu rufen. Die Frau trat in der Hauptverhandlung als Nebenklägerin auf, zeigte sich aber sehr versöhnlich mit dem Mann, mit dem sie im Iran vor einigen Jahren eine Zwangsehe einging. Sie hoffe, dass der Mann keine zu hohe Strafe bekommt, damit die Kinder weiterhin einen Vater haben, wie die Frau im Beisein der Kammer verlauten ließ. Die Tatsache, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist sowie sein Geständnis vor Gericht haben sich positiv auf die Höhe der Strafe ausgewirkt.

Den Haftbefehl gegen den Angeklagten, der am Tattag erhoben worden war, hob das Gericht mit sofortiger Wirkung auf. Mit der Entscheidung schließt sich die Kammer dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an, die eine ebensolche Bestrafung gefordert hatte. Der Mann hat einen Monats Zeit, gegen das Urteil Revision einzulegen.

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