Das sagen die Fraktionen zur Oberbürgermeisterin: Kritik an fehlender Transparenz / Lob fürs Marketingamt

„Keine Glasfassaden, sondern Mauern“

Sabine Danicke

hey Salzwedel. Zur Halbzeit der Amtszeit von Salzwedels Oberbürgermeisterin Sabine Danicke fragte die AZ bei den Fraktionschefs des Stadtrates nach, wie sie die Arbeit des Stadtoberhauptes einschätzen, und was sie sich für die künftigen Jahre wünschen.

Zwei Dinge traten dabei besonders hervor: mehr Transparenz und eine bessere Kooperation zwischen Parlament und Verwaltung.

Ute Brunsch von den Linken bescheinigt der Oberbürgermeisterin zu Beginn der Amtszeit große Schwierigkeiten gehabt zu haben. Dies sei aber besser geworden. „Sabine Danicke vergisst manchmal, dass sie aus den Reihen der Stadträte kommt. Ich wünsche mir, dass sie ein besseres Händchen bei der Zusammenarbeit mit diesen zeigt“, so Ute Brunsch.

Burkhard Rechel (CDU) lobt die Aktivitäten des Marketing-amtes. Die Bemühungen in Richtung Hanse und auch das Tourismuskonzept mit Arendsee seien positiv anzumerken, außerdem der Bürgerhaushalt. Rechel kritisiert allerdings die mangelnde Informationspolitik der Oberbürgermeisterin, vor allem im ersten Amtsjahr. „Seitdem hat es sich gebessert, auch auf Einladung der Fraktion“, so der CDU-Politiker.

SPD-Fraktionschef Norbert Hundt stellt fest: „Die von Sabine Danicke beschriebene kooperative Zusammenarbeit mit den Fraktionen läuft nicht so reibungslos, wie es von ihr dargestellt wird. Es fehlt an Transparenz.“ Danicke habe keine Glasfassaden, sondern Mauern errichtet. Norbert Hundt wünscht sich, nicht mehr vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Der Informationsprozess solle rechtzeitig beginnen. Der SPD-Mann fordert die Oberbürgermeisterin außerdem auf, keine Gremien wie zum Beispiel die Arbeitsgruppe Stadtgrün neben dem Stadtrat zu beauftragen. „Dafür haben wir die Ausschüsse“, meint Hundt. Insgesamt habe Danicke in den drei Jahren aber an Routine gewonnen.

Wolfgang Kappler von der Land-Fraktion erklärt, dass sich die Arbeit der Oberbürgermeisterin stabilisiert habe. Die versprochene Transparenz sei allerdings nicht eingetreten. Sabine Danicke habe es jedoch auch schwierig, weil hinter ihr keine Fraktion stehe.

„Die Oberbürgermeisterin hat bei ihrer Wahl ein schweres Erbe angetreten“, rekapituliert Sascha Gille (FDP) und nennt die aufgezwungene Gemeindegebietsreform auf. Sie solle in Zukunft mehr Augenmerk auf Wirtschaftsförderung legen und dafür weniger Arbeit in kulturelle Einzelprojekte stecken.

Giso Schnöckel (Bürgerbund / Grüne) erkennt bei Sabine Danicke aufrichtiges Bemühen, Oberbürgermeisterin für alle Salzwedeler zu sein. Sie versuche Akzente zu setzen, so beim Marketing. Sie habe aber noch Probleme beim Zuhören.

„Wir hatten große Hoffnungen in die Oberbürgermeisterin gesetzt“, erklärt Susann Meinecke (Freie Liste). „Sie hatte ein sehr gutes Wahlprogramm. Der Großteil hat sich leider nicht erfüllt“, so Meinecke weiter. Sie vermisse Transparenz, Offenheit und Glaubwürdigkeit. Lob fand Meinecke für das Marketing: „Dort ist Salzwedel einen Schritt vorangekommen.“

Lesen Sie auch das Interview mit Sabine Danicke

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