120 000 Euro teure Zuwegung für eine Brücke, die nicht gebaut werden soll

„Kein Weg ins Nirwana“

An dieser Stelle sollte eine Fußgängerbrücke über die östliche Jeetze-Umflut gebaut werden. Das wurde zwei Mal (!) abgelehnt. Nun sind 120 000 Euro im Investitionsplan für eine Zuwegung vorgesehen. Die SPD lehnt das rundweg ab. Foto: Benecke

Salzwedel. Es gibt Dinge, die sind wie Fußpilz: Man denkt, man ist ihn los und zack – ist er wieder da. So auch mit dem ursprünglich geplanten Bau einer Brücke über die Jeetze-Umflut hinter dem Kulturhaus und die damit verbundene Zuwegung.

Es war am 7. Februar 2011, also vor fast einem Jahr, als die Verwaltung den Stadträten im Bauausschuss vorschlug, eine Fußgängerbrücke zur alten Feuerwache zu bauen. Kosten: rund 90 000 Euro. Diese Summe sollte die Stadt als Eigenanteil aufbringen, der Rest könnte über den Fördertopf „Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen“ finanziert werden.

Die Abgeordneten fragten nach eventuellen Folgekosten. Die Antwort kam von Ralf Burmeister: Dazu müsse dann später noch das Wegenetz verbunden werden. Provisorisch reiche dafür aus, so der Bauamtsleiter.

Wenig später, am 22. Februar 2011, debattierte der Hauptausschuss dann den Brückenbau. Dort wiesen die Stadträte Burkhard Rechel (CDU), Norbert Hundt (SPD) und Sascha Gille (FDP) auf die bereits in unmittelbarer Nähe vorhandenen Brücken hin, die von Fußgängern genutzt werden können. Schlussendlich stimmten bis auf Oberbürgermeisterin Sabine Danicke – sie enthielt sich – alle Hauptausschussmitglieder gegen den Bau.

Damit war für die Stadträte der Brückenbau vom Tisch. Dachten sie. Am 6. Juni 2011 ging es im Bauausschuss um die rund 2,8 Millionen Euro, die von 2010 bis 2015 im Sanierungsgebiet Salzwedel-Altstadt aufgewendet werden sollen. Darin enthalten: Die Fußgängerbrücke zwischen alter Feuerwehr und Kulturhaus über den Jeetze-Umfluter für 90 000 Euro Eigenanteil der Stadt. Norbert Hundt erinnerte daran, dass das Vorhaben schon längst abgelehnt worden war. „Die Brücke ist auch noch im Investitionsplan des Haushalts – aber der wurde ja nicht gelesen“, kommentierte Sabine Blümel (Salzwedel Land). Bauamtsleiter Ralf Burmeister sagte damals: „Wir können die Brücke auch ganz rausnehmen.“ Das wollten die Ausschussmitglieder dann auch und bekräftigten ihren Willen erneut per Beschluss – zum zweiten Mal.

Nun ist zwar keine Brücke mehr im Plan aber das Wegenetz für die Brücke, die nicht gebaut werden soll. In den Vorhaben 2010 bis 2015 ist der Weg am östlichen Jeetze-Umfluter mit 120 000 Euro verankert. So steht es auch in dem im Dezember beschlossenen Haushalt.

„Eine Brücke wird mit uns nicht kommen“, machte SPD-Fraktionschef Norbert Hundt gestern deutlich. „Und ohne Brücke wird auch kein Weg dorthin benötigt“, so Hundt weiter. Sein Fraktionskollege und damaliger Bauausschussvorsitzender Norbert Block habe ihn vor der Haushaltsdebatte noch darauf hingewiesen , doch leider sei das Thema bei der folgenden Diskussion untergegangen.

Hundt sieht darin jedoch kein Problem. Das letzte Wort über den Wegebau ist noch nicht gesprochen. Seine Fraktion wird das Vorhaben, wenn es dann konkret auf den Tisch kommt, ablehnen. „Wir brauchen keinen Weg ins Nirwana“, machte der Fraktionschef deutlich. Stattdessen will er das Geld lieber in die Konsolidierung des Stadthaushaltes stecken.

Von Holger Benecke

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