Aufklärungsquote liegt über Landesdurchschnitt

Kein Mord und Totschlag: Straftaten halten sich im Altmarkkreis in Grenzen

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Salzwedel. Kein Mord und Totschlag im Altmarkkreis – oder wie es Polizeichef Sebastian Heutig ausdrückte: Ein Landstrich, in dem es sich ruhig leben lässt.

So boten auch die Berichte der Leiter von Kriminalpolizei, Kriminalrat Jürgen Faustmann, und Staatsschutz, Kriminalhauptkommissar Andreas Busack, aus dem vergangenen Jahr ein wenig Grüne-Wiese-Ambiente.

Der Himmelfahrt-Schütze vom Rohrberger See sitzt hinter Gittern – noch mindestens für die nächsten sechs Jahre. Ermittelt haben dort weniger die Salzwedeler, sondern der Zentrale Kriminaldienst aus Stendal. Auch die Fälle der brandstiftenden Angehörigen der Salzwedeler Jugendfeuerwehr werden inzwischen juristisch aufgearbeitet. Der nächste Prozesstermin ist übermorgen, am 30. März, ab 13 Uhr am Salzwedeler Amtsgericht.

Der Rest des vergangenen Jahres verging für die Ermittler mit Routinearbeit. Nichtsdestotrotz brauchen sich die Kriminalisten mit ihrer Aufklärungsquote nicht zu verstecken: 57,7 Prozent (2467 Fälle). Der Landesdurchschnitt liegt bei 55,4 Prozent. Zu tun gab es reichlich, auch wenn sich das Niveau mit 4791 Ermittlungsverfahren etwa auf dem der vergangenen vier Jahre sehr niedrig hielt. Fast die Hälfte (2350 Fälle) und damit den Löwenanteil machten Diebstahl sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte aus. „Also alles, womit die Kriminellen versuchen zu Geld zu kommen“, brachte es Kriminalrat Faustmann auf den Punkt. 1672 Diebstähle und 678 Fälle von Vermögens- und Fälschungsdelikten haben die Ermittler aufgeklärt.

Bei den sogenannten Rohheitsdelikten (806) verzeichnet die Kripo einen Anstieg um 25 Fälle bei Körperverletzungen. Einen Rückgang gab es bei den Sexualdelikten. Hatten die Beamten 2015 noch 49 Fälle – im vergangenen Jahr waren es 28. Die Aufklärungsquote liegt dort bei 85,7 Prozent. Weiter registrierten die Kriminalisten 51 Brandstiftungen, 41 Verstöße gegen das Waffengesetz und 283 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Auch auch Letzterem ist der Altmarkkreis Grüne Wiese, denn Cannabis und Amphetamine beherrschen die Szene. Crystal Meth und Heroin sind hier noch nicht so stark verbreitet. Den Anstieg bei den Drogendelikten von 200 (215) auf 283 (2016) erläuterte Polizeichef Heutig: „Das sind Kontrolldelikte – wenn man mehr kontrolliert, findet man mehr. Wir haben mehr kontrolliert.“

Von den 2124 im vergangenen Jahr ermittelten Tatverdächtigen sind 1920 Deutsche und 204 Ausländer – unter Letzteren 75 Asylbewerber. Altersmäßig setzt sich die Täterstruktur wie folgt zusammen: 76 Kinder, 213 Jugendliche, 146 Heranwachsende und 1689 Erwachsene. Geschlechterspezifisch nehmen sich Männer und Frauen bei Straftaten nichts.

Staatsschutzchef Andreas Busack hat mit 138 politisch motivierten Taten im vergangenen Jahr einen statistischen Ausreißer nach oben. Das war den Landtagswahlen geschuldet und so gilt jedes heruntergerissene, zerstörte bzw. beschmierte Wahlplakat als politische Straftat – egal zu welcher Partei das Plakat gehört. In 31 Fällen mussten die Staatsschützer versuchen, den oder die Plakattäter zu ermitteln. Ansonsten nehmen Propagandadelikte einen breiten Raum ein – fast alle rechts, kaum links. Dazu gehören Kreuz- und Runenschmierereien. Die politischen Gewaltstraftaten hielten sich in Grenzen – zehn Fälle hatten die Ermittler aufzuklären. Insgesamt kann Busack eine Aufklärungsquote von 42 Prozent vorweisen.

Zwei Ermittlungen der Staatsschützer liefen im vergangenen Jahr ins Leere, räumte Busack ein. So haben die Ermittler von einem Brand am Autonomen Zentrum (12. Januar) an der Altperverstraße in Salzwedel erst durch das Internet mitbekommen. Kontaktaufnahmen der Beamten zu den Bewohnern seien gescheitert, eine Spurensuche brachte keinen Erfolg mehr. Auch bei dem angesteckten Pkw eines Angehörigen der rechten Szene (24. Februar 2016) konnte kein Täter ermittelt werden. Der junge Mann hatte zuvor bei einer AfD-Demo in Magdeburg zwei Fernsehteams mit Pfefferspray attackiert.

Von Holger Benecke

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