Sehschwache stehen hilflos an der Thälmannstraße / Altstadt für Behinderte tabu

Kein Ton und keine Chance

Nichts zu hören: Blinde und Sehschwache benötigen den Ton von der Ampel – das ist ihr Grün.

Salzwedel. Vergeblich lauscht Holger Lorenz, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes Salzwedel, auf die Ampel am Netto-Markt. Die Anlage ist zwar neu, gibt aber keinen Ton von sich.

Und dieser ist gerade für Blinde und Sehschwache lebens-, wenn nicht überlebenswichtig; signalisiert dieser doch, dass die Fußgänger über die zweispurige Thälmannstraße Grün haben.

Lorenz macht auf diesen Misstand aufmerksam. Denn das bisherige Vorstandsmitglied Ursula Friske, die sich im Allgemeinen Behindertenverband um die Probleme der Blinden und Sehschwachen gekümmert hat, ist vor einem Monat verstorben. „Und das hier wäre genau der Weg von Ursula Friske in die Innenstadt und zum Arzt gewesen“, macht Lorenz die Bedeutung des Ampeltones deutlich.

Apropos Arzt: Zum Hals-Nasen- und Ohrenarzt kommt Lorenz mit seinem Rollstuhl auch nicht. Das Plaster der Straße An der Mönchskirche hat einfach zu breite und zudem noch ausgefegte Fugen. Darin bleiben dünne Rollstuhlreifen stecken.

Ein Problem, dass Rolli-Fahrer auch einen weiten Bogen um Salzwedels historische Altstadt machen lässt. „Was ist da oben eigentlich?“, fragt Holger Lorenz, als er mit seinem Rollstuhl im Park des Friedens steht. Denn auch von der nicht gepflasterten Seite aus bietet der Durchgang neben der Propstei ein unüberwindbares Hindernis. Zu steil. Und mit einer Kante, über die auch Sehschwache stolpern.

Von Holger Benecke

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