Aus dessen Asche wuchs ein Baum – der soll auch umziehen

Käte Kuhl: „Nehme meinen Mann mit“

Mit der Asche ihres 2015 verstorbenen Ehemanns Roland wurde eine Japanische Blütenkirsche großgezogen. Nun will Käte Kuhl die Hansestadt verlassen und den Baum mitnehmen. Foto: J. Heymann
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Mit der Asche ihres 2015 verstorbenen Ehemanns Roland wurde eine Japanische Blütenkirsche großgezogen. Nun will Käte Kuhl die Hansestadt verlassen und den Baum mitnehmen.
  • Jens Heymann
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Salzwedel. Der Ehemann ist verstorben, das Haus leer, und die Kinder leben woanders. Nun will sie ihr Heim an der Gardelegener Straße verkaufen und im nächsten Jahr nach Niedersachsen zur Tochter ziehen.

Rein äußerlich ist die derzeitige Lebenssituation von Käte Kuhl aus Salzwedel nichts Ungewöhnliches. Wäre da nicht der Baum, der in einer Ecke des Hofes wächst. Denn die Japanische Blütenkirsche wurde in den Niederlanden mithilfe der Asche ihres 2015 verstorbenen Ehemanns Roland großgezogen. Eine in der hiesigen Region wohl einmalige Sache.

Im kommenden November will Käte Kuhl der Hansestadt nun den Rücken kehren. „Das steht hundertprozentig fest“, sagt sie. Auf den Rollstuhl angewiesen, komme sie nicht mehr alleine klar und wolle auch nicht so abhängig von anderen Leuten sein. Im niedersächsischen Schneverdingen, wo ihre Tochter wohnt, will sie in ein behindertengerechtes Haus einziehen.

Nur was passiert mit dem prächtig gewachsenen Baum, der sogar ein Schild mit den Lebensdaten des Verstorbenen trägt? „Ohne Baum ziehe ich nicht um“, sagt Käte Kuhl. „Ich nehme meinen Mann mit“, steht für sie außer Diskussion. Das Beerdigungsinstitut soll sich um Transport und Umpflanzen kümmern. Denn wenn die Witwe im kommenden Jahr aus dem Fenster ihrer neuen Wohnung schaut, will sie den Baum sehen. Der Vermieter habe ihr dies zugesichert, als er die ungewöhnliche Geschichte mit dem Baum zum ersten Mal gehört hat.

Käte Kuhl schaut sich unterdessen immer wieder das Video der Beerdigungsfeier vom Mai des vergangenen Jahres an. Damals verabschiedete sie sich zusammen mit anderen Angehörigen von Roland Kuhl – mit „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys und einem Glas Whisky-Cola, dem Lieblingsgetränk des Verstorbenen. Der gepflanzte Baum bekam auch etwas davon ab, seitdem aber nicht mehr. „Mein Mann war schließlich kein Alkoholiker“, so Käte Kuhl.

Von Jens Heymann

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