Mit 66 jung geblieben

„Mensch 2010“ – Letzter Teil: Hartmut Bock und die Archäologie in der Altmark

Jübar - Von Peter Lieske

Mit 66 Jahren ist Hartmut Bock jung geblieben. Er ist der Vater der „Jungen Archäologen der Altmark“. Die Wiege des Vereins ist die ehemalige Grundschule in Stöckheim, wo der Jübarer Anfang der 1970er- Jahre die Arbeitsgemeinschaft aus der Taufe hob. Viele seiner damaligen Schüler sind noch heute im Verein aktiv. Bei Ausgrabungen unter anderem in Wallstawe, Osterwohle, Maxdorf und aktuell in Hohendolsleben haben die „Jungen Archäologen“ ihre Spuren hinterlassen. Mit ihrer Arbeit haben sie die Altmark über die Landesgrenzen hinweg bekannt gemacht. Einer der großen Erfolge: der Deutsche Archäologiepreis, der 2002 verliehen wurde. Im Jahr 2006 war Jübar Austragungsort der Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung. Erstmals wurde die Tagung somit in einem Dorf veranstaltet. Ein Jahr später gewannen die Archäologen den Unternehmerpreis für Vereinsarbeit des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Alle Erfolge hängen mit einem Namen zusammen: Hartmut Bock. Als Landesarchäologe Harald Meller im Jahr 2002 die „Jungen Archäologen“ um Hartmut Bock besuchte, kam der Gedanke auf, die Großsteingräber aufzulisten. Das Ergebnis war der Reiseführer „Großsteingräber der Altmark“, der im Frühjahr 2007 erschien und das Großprojekt der Uni Kiel nach sich zog. Seit einigen Jahren erforschen die Studenten die Megalithgräber bei Lüdelsen. Doch als dem Verein diese Ehren zuteil wurde, hatten die Jübarer ihrem Chronisten und Autor zahlreicher Publikationen über die Altertumsforschung schon längst die größte Auszeichnung zuteil werden lassen: Zur Jahrtausendwende wurde er Ehrenbürger der Gemeinde. Damals wurde das große Fest „Jübar 2000“ gefeiert. Initiator: Hartmut Bock. Er hatte 1998 eine Urkunde aus dem Jahr 1240 ausfindig gemacht, in der Jübar erwähnt wurde. Eigentlich sollte 2008 die 700-Jahr-Feier begangen werden. So aber konnten die Jübarer im Millenniums-Jahr ihr 760-jähriges Bestehen feiern. Zudem sorgte der Lehrer Hartmut Bock im Jahr 2003 für Aufsehen in der Altmark. Mit Schülern der inzwischen geschlossenen Sekundarschule Jübar drehte er in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal den Film „Zwangsaussiedlung“. Die Schüler hatten 20 Zeitzeugen zur „Aktion Ungeziefer“ befragt. Aus den 540 Minuten Filmlänge wurden 40 Minuten Zeitgeschichte zusammengeschnitten. Der Film sollte vor allem im Geschichtsunterricht Einzug halten, wünschte sich der Historiker, der bereits an einem neuen Projekt arbeitet: Mit zwei Jübarern stellt er einen Bildband über Jübar zusammen. Das 200-Seiten-Werk beinhaltet etwa 400 Fotos von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Ein Buch in dieser Größenordnung für ein 700-Seelen-Dorf hat Seltenheitswert. Und wenn Hartmut Bock einmal nicht in Chroniken forscht, Ausgrabungen leitet oder Fundstücke auswertet, dann geht er ins Vereinslokal nicht nur der Archäologen, sondern auch des Männerchores Jübar, um dort mit seinen Sangesbrüdern für den nächsten Auftritt zu proben.

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