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„Jetzt gehts an die nächsten 20 Jahre

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Von: Holger Benecke

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Köche
Jennever Seitz und ihr neuer Koch, Patrick Jahn, sorgen im „Kuhfelder Hof“ für den guten Geschmack. Die Inhaberin führt das Hotel samt Restaurant seit zwei Jahrzehnten. © Benecke, Holger

Wer sich als Gastronom mit seinem Haus einen guten Ruf erkämpft, muss dies jeden Tag erneut unter Beweis stellen. Jennever Seitz ist seit zwei Jahrzehnten durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Im Dezember 2001 hat sie den „Kuhfelder Hof“ als Geschäftsführerin übernommen. Da lief überhaupt nichts, stellt sie rückblickend fest. Sie krempelte die Ärmel hoch und ging die Aufgabe an. Im August 2010 übernahm sie das Hotel mit 65 Betten, 40 Restaurantplätzen und noch einmal 30 im kleinen und 100 Plätzen im großen Saal.

Kuhfelde - Der „Kuhfelder Hof“ etablierte sich in der Gastronomieszene nicht nur der Region. Viele Urlauber und auch Künstler stiegen dort ab. Das Gästebuch reicht von Karst und Silly über die Leningrad Cowboys, die Wildecker Herzbuben, Tony Marshall, Amsterdam, Spider Murphy Gang und die Zillertaler bis hin zum Team von Joe Cocker. Alle wussten die Vorzüge des idyllischen Hotels am Rande der Stadt zu schätzen.

Boney M.
Boney M. und viele andere Promis fühlen sich wohl im „Kuhfelder Hof“ und genießen die Idylle. © Benecke, Holger

Familienbetrieb

Auch Biker auf der Durchreise und andere Ausflügler steuerten den „Kuhfelder Hof“ an. Der war seit 2016 zum Familienbetrieb geworden. Denn Tochter Anna-Lena (Restaurant- und Hotelfachfrau) und Sohn Andy (Koch) stiegen in den „Kuhfelder Hof“ mit ein. Nicht nur das: Sie engagierten sich Jahr für Jahr bei den Altmark-Meisterschaften der Gastronomen. 2017 gab es dann einen gewaltigen Tiefschlag, als vor der Haustür die Bundesstraße 248 ein halbes Jahr lang saniert wurde. Doch auch dieses Tief meisterte Jennever Seitz. Dann kam Corona. Seit 2019 hangelt sich das Hotel – wie alle Gastronomen – hauptsächlich mit Handelsvertretern, die in den Hotels übernachten dürfen, durch. Die Kinder von Jennever Seitz verließen den Familienbetrieb, gingen nach Bad Bevensen und Baruth. Im Sommer vergangenen Jahres dann: aufatmen. Die Restaurants waren voll, die Gastronomen machten gute Geschäfte. Konnten ein wenig die Verluste aufholen, die sie bisher durch die Pandemie einstecken mussten. Ein neuer Koch, Patrick Jahn. Er hatte in den besten Hamburger Häusern gelernt und gekocht – unter anderem bei Fernsehstar Tim Mälzer.

2G klappt nicht

Der „Kuhfelder Hof“ startete erneut durch. Dann kam die Omikron-Angst. Silvester fiel ins Wasser. Auch die Handelsvertreter stornierten ihre Zimmer. „Fünf Wochen lang war nichts, gar nichts“, schildert Jennever Seitz. Nun geht es langsam wieder los. Die Handelsreisenden, die die Hotels schon seit Anfang der Pandemie über Wasser hielten, trudeln wieder ein. Nur im Á-la-carte-Geschäft sieht es düster aus. Das Problem: „Genesende und Geimpfte – also 2G – können essen gehen, aber es kommt keiner“, weiß die Gastronomin.

Urkunden
Engagement für die altmärkische Küche: Absolvierte Aus- und Weiterbildungen zieren eine Wand im Hotel. © Benecke, Holger

Nach 20 Jahren mit allen Höhen und Tiefen ist Jennever Seitz immer noch optimistisch. Die Gastronomin mit Leib und Seele: „Viele hätten nicht gedacht, dass ich das zwei Jahrzehnte lang durchhalte. Jetzt gehts an die nächsten 20 Jahre“, will sie sich auch von Corona nicht unterkriegen lassen. Auch wenn sie mit der Pandemie nicht planen kann, hohe Verluste einstecken muss. Vieles, was sie vor der Omikron-Welle eingekauft hat, kann sie nur noch wegschmeißen: „Im Frühjahr will keiner mehr Ente essen.“

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