Detlef Jacobs fischt kistenweise alte Buddeln aus der Jeetze

Gewässer strotzt vor Unrat: Jeetze wird zum Mülleimer

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Detlef Jacobs lief über mehrere Stunden die Jeetze rauf und runter und sammelte Flaschen aus dem Fluss. Manchmal kommen gut zehn Kisten zusammen. Immer im Sommer und an wärmeren Tagen ist der Salzwedeler in der Jeetze unterwegs.

Salzwedel. Die Jeetze fließt durch Salzwedel und verschönert so das Stadtbild. Doch beim zweiten Blick trügt das Idyll.

Neben der Hundekotmeile an der alten Stadtmauer sieht es auch im Wasser schlimm aus: Mülleimer, Topfdeckel, Kinderroller, Überreste einer Parkbank und Flaschen über Flaschen.

Am Badehaus liegen Reste einer Parkbank im Wasser, die zum Erholen am Ufer vorgesehen war.

Detlef Jacobs liegt die Natur sehr am Herzen. Immer im Sommer und an wärmeren Tagen macht er sich auf und läuft den Fluss entlang, um Buddeln aus der Jeetze zu fischen. Und diese enthalten keine Flaschenpost, sondern sind nach dem Genuss des alkoholischen Inhalts einfach in das Gewässer geworfen worden. „Da kommen gut zehn Kisten zusammen. Ist alles raus, dauert es einige Zeit, bis es sich wieder lohnt“, resümiert Jacobs gegenüber der AZ. Für den Hansestädter ist das Gewässer eine kleine Goldgrube, die jedes Jahr etwas abwirft. Weiter sagt der Salzwedeler: „Vor allem ist mir die Umwelt wichtig, deswegen sammele ich, was ich kann.“

Keine verrosteten Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern die Flaschenausbeute von Detlef Jacobs am Jeetze-Ufer.

Eigentlich ist der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW), Flussbereich Osterburg, für die Jeetze zuständig. „Einmal im Jahr, im September oder im Oktober, werden Jeetze und Dumme von uns gesäubert“, erklärt Harald Schmidt, Ingenieur beim LHW-Flussbereich Osterburg. „In dieser Zeit führen die Gewässer am wenigsten Wasser“, erklärt er die Wahl des Termins. Durch den derzeit fehlenden Niederschlag ist der Wasserspiegel schon sehr niedrig und lässt den einen oder anderen Unrat an der Oberfläche auftauchen. „Einen früheren Termin können wir leider nicht einrichten, da zu wenige Mitarbeiter vorhanden sind“, bedauert Schmidt.

Ein Kinderroller liegt in der Jeetze. Schon zu DDR-Zeiten flog alles in den Fluss – der Osten lässt grüßen.

Damit bleibt erst einmal alles in der Jeetze liegen. Wenn da nicht Detlef Jacobs wäre. Und nicht nur der sieht im Zustand der Gewässer ein weiteres Armutszeugnis für die Stadt Salzwedel.

Vor Jahren gab es einmal das Projekt „Salzwedel auf Wasserwegen erleben“. Außer ein paar Paddeltouren und steuergeldteuren Spreewaldkähnen (damals Kosten von 90.000 Euro), die regelmäßig im Pfefferteich absoffen, kam nichts dabei heraus.

Von Paul W. Hiersche

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