„Jeetze-Lachs“ erlebt Renaissance

Bislang rund 335000 Meerforellen-Brütlinge in Gewässern um Salzwedel

Ein solches kapitales Meerforellen-Männchen mit dem typischen Laichhaken ist für die Forscher der Beweis für eine erfolgreiche Besatz-Arbeit in den vergangenen Jahren. Noch müssen diese „Brocken“ aber geschont werden.
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Ein solches kapitales Meerforellen-Männchen mit dem typischen Laichhaken ist für die Forscher der Beweis für eine erfolgreiche Besatz-Arbeit in den vergangenen Jahren. Noch müssen diese „Brocken“ aber geschont werden.

Die Region rund um Salzwedel war vor 300 bis 400 Jahren für ihren Reichtum an kapitalen Meerforellen berühmt. Mittlerweile erlebt der einst so legendäre „Jeetze-Lachs“ eine Renaissance.

Salzwedel - Nach der Begradigung der Flüsse, deren Nutzung für Mühlen und zur Bewässerung sowie deren Verschmutzung verschwanden die Großsalmoniden rund um die Hansestadt. Der einst so legendäre „Jeetze-Lachs“ erlebt nun eine Renaissance.

Besetzt wurden von 2012 bis 2020 bislang 335 000 Meerforellen-Brütlinge. Berücksichtigt wurden hier vor allem Jeetze, Dumme und Tangelnscher Bach, zum Teil auch die untere Hartau. „Die nächste Besatzmaßnahme ist für Ende März / Anfang April geplant, wobei der Termin aber vom weiteren Witterungsverlauf und der Verfügbarkeit des Besatzmaterials abhängig ist“, informierte Steffen Zahn. Der Fischerei-Diplomingenieur und Abteilungsleiter für Fisch- und Gewässerökologie beim Institut für Binnenfischerei Potsdam arbeitet seit Jahren eng mit den regionalen Angelvereinen, darunter dem Angelsportverein Salzwedel (ASV) zusammen. Zurückkehrende Laichfische sind laut Zahn seit 2014 zu beobachten – gemäß den Erwartungen auch mit steigender Tendenz. Nachgewiesen wurden insgesamt 150 Laichfische, davon waren jedoch nur fünf Meldungen von Anglern. Die Ergebnisse der Videoerfassung in der Dumme stehen noch aus. Durch die steigende Zahl an Rückkehrern wird zugleich ein gutes Überleben der Jungfische wie auch die erfolgreiche Fortpflanzung der Laichfische indiziert. „Unsere Kollegen haben gemeinsam mit einigen engagierten Angelfreunden aus der Region in diesem Winter mindestens 57 Laichnester gezählt. Daraus lässt sich vermuten, dass mindestens 114 Tiere da waren. Bei einer regelmäßigen Rückkehr von über 50 Laichpaaren pro Jahr beginnt die Entwicklung einer inzuchtfreien gewässerspezifischen Population – ein wichtiges Etappenziel des Projektes“, zieht Steffen Zahn Bilanz. Ab einer regelmäßigen Rückkehr von 100 Laichpaaren könne man unter Umständen eine begrenzte (quotierte) Freigabe für das Angeln gemäß der Fischereiordnung vertreten. „Bis dahin wären wir den Anglern dankbar, wenn sie die gefangenen Fische wieder schonend zurücksetzen, damit sich die Laichfische an der Fortpflanzung beteiligen können“, betont der Forscher.

Ein typisches Meerforellen-Laichnest in der Dumme bei Böddenstedt: Die Salmoniden brauchen zur Fortpflanzung viel Kies, die richtige Fließgeschwindigkeit und diverse Verstecke im Wasser.

Meerforellen benötigen für ihre erfolgreiche Fortpflanzung eine rasch überströmte kiesige Gewässersohle. Damit aber die Meerforellen zu ihren Laichplätzen bzw. Kinderstuben gelangen können, ist zudem eine Umgestaltung vorhandener Stauanlagen notwendig. Dies kann einerseits durch Fischaufstiegshilfen erreicht werden, wenn die Wehre erhalten bleiben müssen. „Bei nicht mehr benötigten Anlagen wäre hingegen deren Rückbau oder die Umgestaltung zu Sohlgleiten sehr zu wünschen. Nach mittlerweile über 20 Jahren Laufzeit der EG-Wasserrahmenrichtlinie, hoffen wir als federführende Einrichtung des Wanderfischprogramms, dass die Umsetzung der vorhandenen Konzepte stärker vorangetrieben wird“, merkt Zahn an. Der Unterhaltungsverband „Jeetze“ und der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft sind hierbei nach Auffassung des Potsdamer Instituts nicht nur die wichtigsten Akteure, sondern zugleich auch sehr maßgebliche regionale Kooperationspartner im Wanderfischprogramm.

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