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Jedes vierte Ladenlokal in Salzwedel steht leer

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Von: Lydia Zahn, Ulrike Meineke

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In der Innenstadt steht jedes vierte Ladenlokal leer. © Privat

In Salzwedels Einkaufsstraßen steht mehr als jedes vierte Ladenlokal leer. Die Altmark-Zeitung hat sich mit Zettel, Stift und Kamera auf Recherche-Tour begeben und den Leerstand in den vier Shoppingmeilen dokumentiert.

Salzwedel – Immer wieder sind die leer stehenden Ladenlokale in Salzwedels Einkaufsstraßen ein Gesprächsthema und Grundlage politischer Diskussionen und Entscheidungen. Doch wie gravierend ist der Leerstand wirklich? Sicherlich schönen die dekorierten Schaufenster ansonsten leerer Geschäfte das Gesamtbild. Dennoch hat eine Recherche-Tour der Altmark-Zeitung ergeben, dass 49 der 183 Ladenobjekte in der Innenstadt leerstehen. Das entspricht 26,8 Prozent. Damit ist mehr als jedes vierte Geschäft tot.

Wo und wie wurde gezählt?

Das Reporterteam war in der Breiten Straße, Burg-, Neuperver- und Altperverstraße unterwegs (siehe Infokasten) und hat alle Geschäfte notiert, wobei neben Einzelhändlern auch Dienstleister, Gastronomie, Steuerbüros etc. in die Statistik einflossen. Gezählt und fotografiert wurde zudem jedes leer stehende Ladenlokal – auch dann, wenn das Schaufenster dekoriert ist, wie etwa in der Burgstraße.

Wo ist es besonders schlimm?

Erwartungsgemäß ist der Ladenleerstand in der Altperverstraße mit 38,2 Prozent Leerstand am schlimmsten. Dort ist also mehr als jedes dritte Geschäft tot. Immer wieder bemüht sich die Werbegemeinschaft, insbesondere diesen einst so prächtigen Straßenzug in den Fokus zu rücken – demnächst mit einer Gewerbeschau im Rahmen des Nysmarktes. Nicht viel besser sieht es in der Burgstraße mit 34,4 Prozent Ladenleerstand aus. Auch dort ist folglich mehr als jedes dritte Geschäft nicht mehr existent. Es folgen die Breite Straße mit 19,5 und die Neuperverstraße mit 13,6 Prozent Leerstand.

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Ein Ladenobjekt aus der Altperverstraße. Hier ist der Leerstand mit 38,2 Prozent am gravierendsten. © Zahn, Lydia

Händler-Chef relativiert

„Es gibt aber auch immer mal wieder Neuansiedlungen“, verweist Jost Fischer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, beispielsweise auf den neuen Frisör in der Burgstraße. Verlagerungen führten an einer Stelle zu Leerstand, an anderer aber zu Belebung, nennt Fischer etwa die „Hansenbande“, ein Netzwerk lokaler Künstler und Kunsthandwerker, die ihr Geschäft von der Altperver- in die Burgstraße verlagert haben.

„Schlecker und Rossmann waren Zugpferde“

Viel Kaufkraft sei durch die Schließung der zwei Drogeriemärkte in der Innenstadt „nach außen verlagert worden“, weiß Fischer. Schlecker hatte an der Breiten Straße geschlossen, Rossmann wechselte an den Stadtrand. In der Innenstadt gibt es keine Drogerie mehr. Der Online-Handel „tut sein Übriges“, so der Händlerchef. „Wir unterstützen, wo wir können“, beteuert Fischer und lobt etwa die Initiative Brötchentaste, die 15 Minuten freies Parken ermöglicht.

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Dieses Objekt steht in der Breiten Straße. Der Leerstand liegt hier bei 19,5 Prozent. © Zahn, Lydia

Und: „Ohne Baumkuchen wäre es ganz schlecht“, denn die Salzwedeler Spezialität bringt ganze Busse mit Touristen in die Hansestadt.

Stadtgutschein „ist ein Erfolgsmodell“

Fischer verweist auf das touristische Potenzial der Stadt mit ihren mittelalterlichen Fachwerkhäusern und vielen Brücken. In Caravan-Stellplätzen sieht der Vorsitzende der Werbegemeinschaft „noch Potenzial“. Den Stadtgutschein wertet Fischer als Erfolgsmodell. „Das Geld bleibt hier“, betont er. Innerhalb von 2,5 Jahren seien damit mehr als 200 000 Euro im lokalen Einzelhandel umgesetzt worden. Laut Fischer bestellen viele Betriebe den Stadtgutschein in Größenordnungen und geben ihn an die Mitarbeiter aus.

Der Händlerchef sieht viele Puzzleteile, die in Sachen Marketing ineinandergreifen müssten. So sei das Zusammenspiel mit dem Vereinsleben wichtig, der Märchenpark ist ein Magnet, der Glockenpark könnte ein neuer Hotspot werden.

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Ein weiteres leeres Ladenobjekt aus der Neuperverstraße. In dieser Straße ist der Leerstand mit 13,6 Prozent am geringsten. © Zahn, Lydia

Wirtschaftsförderer „unterstützen gern“

Bei der Stadt steht die Wirtschaftsförderung als Ansprechpartner für die Händler und Immobilienbesitzer zur Verfügung. „Wir sind gerne bereit, Unterstützung bei der Suche nach dem richtigen Ladenlokal zu leisten“, versichert Kirsten Schwerin von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung.

Antrag auf Fördermittel

Laut Schwerin hat die Hansestadt zur Unterstützung der Händler und Immobilienbesitzer einen Antrag auf Aufnahme in das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ gestellt. Insgesamt geht es um 360 000 Euro, davon sind 324 000 Euro Fördermittel. Der Eigenanteil der Stadt läge bei 36 000 Euro. Mithilfe der Bundesmittel will die Stadt unter anderem ein Konzept erstellen, das die Leerstandsproblematik in der Innenstadt aufgreift und Handlungsempfehlungen gibt. Schwerin: „Wir möchten einen breiten Konsens aller Beteiligten im Bereich der Innenstadt erreichen, neue Ideen für unsere Hansestadt zu entwickeln.“ Die Aufnahme in das Bundesprogramm sei auch „ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung der Innenstadt und damit der Händler vor Ort“.

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Eines von vielen leer stehenden Ladenobjekten. Dieses Objekt befindet sich in der Burgstraße. Der Leerstand liegt in dieser Straße bei etwa 34,4 Prozent. © Zahn, Lydia

Leerstandsbilanz

• Altperverstraße (Kreuzung Amtsgericht bis Kreuzung Vor dem Neuperver Tor): 34 Ladenobjekte, davon 13 leerstehend = 38,2 Prozent Leerstand

• Burgstraße (Ecke Neuperverstraße bis Kreuzung am Amtsgericht): 64 Ladenobjekte, davon 22 leer stehend bzw. nur Schaufenster-Deko = 34,4 Prozent Leerstand

• Breite Straße (Kreuzung Neuperverstraße bis Vor dem Lüchower Tor): 41 Ladenobjekte, davon acht leer stehend = 19,5 Prozent Leerstand

• Neuperverstraße (Neuperver Tor bis Kreuzung Südbockhorn): 44 Ladenobjekte, davon sechs leer stehend = 13,6 Prozent Leerstand

• Leerstand gesamt in Salzwedels Einkaufsstraßen: Von 183 Ladenobjekten stehen 49 leer. Das entspricht einem Leerstand von 26,8 Prozent.

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