Von Woche zu Woche

Jammern auf hohem Niveau

+

5,5 Prozent mehr Lohn zu fordern, ist sicher legitim. Auch für Lehrer. Dennoch werden sich viele Vertreter anderer Berufsgruppen fragen, ob das nicht Jammern auf sehr hohem Niveau ist.

Wenn man sich überlegt, dass ein Grundschullehrer in der Altmark gut 3000 Euro (in der Besoldungsgruppe A12) verdient, wovon netto knapp 2500 Euro über bleiben, wenn der Lehrer ledig ist und keine Kinder hat. Ein verbeamteter Lehrer am Gymnasium hat in Sachsen-Anhalt knapp 3600 Euro brutto, macht netto 2800 Euro. Jetzt wollen die Lehrer, die in dieser Woche in verschiedenen Städten Sachsen-Anhalts und auch in der Altmark auf die Straße gegangen sind, 5,5 Prozent mehr, mindestens aber 175 Euro. Für nächste Woche wurden auch in der Altmark Warnstreiks angekündigt.

Gut, man kann das Gehalt eines Lehrers nicht mit dem einer Verkäuferin oder Frisörin vergleichen, auch wenn beide einen Acht-Stunden-Tag haben – was mancher bei einem Lehrer bezweifeln mag. Eine Verkäuferin oder Frisörin hat nicht studiert. Während der Studienzeit hat die Verkäuferin/Frisörin im Gegensatz zum Studenten schon verdient. Und überhaupt kann man den Job einer Verkäuferin/Frisörin nicht mit der stressigen und wesentlich verantwortungsvolleren Arbeit eines Pädagogen gleichsetzen – so argumentieren viele Lehrer.

Und trotzdem: Wo – ausgenommen den öffentlichen Dienst – gibt es hier denn regelmäßige Tariferhöhungen? Die Vertreter der freien Wirtschaft werden zumeist lange überlegen müssen, wenn sie den Zeitpunkt der letzten Lohnerhöhung benennen sollten. Im öffentlichen Dienst aber ist das völlig normal. Lehrer sind Landesbedienstete.

Sie können die Sparpolitik von Finanzminister Jens Bullerjahn nicht nachvollziehen. Als es um Kürzungen an Hochschulen und Universitäten ging, sah man Studenten auf der Straße. Vereinzelt auch Lehrer. Diese Kürzungen an der Bildung waren offenbar nicht so wichtig wie der eigene Geldbeutel. Wenn gestreikt wird, fällt Unterricht und damit Bildung aus. Sieht man sich die Freistunden der Schüler an, die durch Lehrermangel und Krankheit entstehen, mag man mit dem Kopf schütteln.

Gut – in manchen anderen Bundesländern verdienen Lehrer bis zu 1200 Euro mehr (Berlin), in Ländern wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland aber auch weniger. Hat man bei diesem Verdienst wirklich Grund zum Jammern? Solche Fragen treffen Lehrer immer hart.

Und mal ehrlich: Welcher Grundschullehrer, der seinen Job seit ein paar Jahren macht, muss sich nach dem regulären Unterricht wirklich noch mehrere Stunden lang auf den nächsten Tag vorbereiten? Man hat auch nicht täglich stundenlang Klassenarbeiten zu bewerten. Mir hat mal ein Lehrer gesagt, als ich ihn gefragt habe, was er nach der Schule macht: „Ich bin im Garten oder gehe mit dem Hund gassi.“ Natürlich – es gibt immer solche und solche. Jene, die ihren Job mit viel Aufwand sehr gut machen und diesen Anspruch an sich selbst auch haben, aber auch solche, die mit wenig Aufwand eine 08/15-Arbeit abliefern.

Es ist falsch, alle über einen Kamm zu scheren, aber zu sagen, dass Lehrerstreiks bei diesen Gehältern ist, darf erlaubt sein und sollte den Lehrern nicht gleich die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Von Ulrike Meineke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare