Ungebremstes Interesse an privatem Museum

30 Jahre nach der Wende: Müller hat DDR-Schatzkammer geöffnet

Wolfgang Müller und die freundliche Krankenschwester achteten auf die Abstandsregelung im DDR-Museum.
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Wolfgang Müller und die freundliche Krankenschwester achteten auf die Abstandsregelung im DDR-Museum.

Salzwedel – Der Ansturm auf Wolfgang Müllers privates DDR-Museum ist ungebrochen. Am Mittwoch öffnete er in diesem Jahr wieder die Pforten zu einer Urania-Führung.

Es war der 17. Juni, der Tag, der in der Bundesrepublik von 1954 bis zur Wiedervereinigung 1990 als „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert wurde.

An diesem 17. Juni war jedoch der Ansturm auf die DDR ungebremst. Trotz Corona-Abstandsregeln, die es den Besuchern zwischen der Fülle der Exponate nicht gerade leicht machten, waren viele nicht zum ersten Mal in der Ausstellung, die Wolfgang Müller immer wieder neu bestückt.

Neben DDR-erprobten Besuchern kamen jedoch auch Kinder, die sich die Vergangenheit ihrer Eltern erklären ließen. Und diese ist in Müllers Schatzkammer sehr regional. Denn der unermüdliche Geschichtssammler hat jede Menge aus der Altmark zusammengetragen. Exponate aus dem Erdgasbetrieb, dem Chemiewerk und der Baumkuchenproduktion fehlen ebenso wenig wie der legendäre „Bretterknaller“ aus der Diesdorfer Süßmosterei, die Bergschloss-Biere sowie LPG-Utensilien und Grenztruppen-Ausrüstung.

Darüber hinaus füllen die Regale alles, was es in der DDR im täglichen Gebrauch gab. Selbst eine ganze Telefonkollektion – was es nun damals nicht gerade häufig gab. Einen Telefonanschluss, noch dazu einen, den man nicht mit dem Nachbarn teilen musste, das war schon was. Klassenzimmer, Arztpraxis, Bibliothek – der Renner ist und bleibt der Konsum mit Globus-Erbsen, Trink Fix, Filinchen über Dusch- & Badespray, Putzi-Zahnpasta, Nautic-Seife und Badusan bis hin zum „Blauen Würger“ (Juwel Klarer).

Da kamen bei den Besuchern Geschmacks- und Erlebnisgefühle auf, die längst vergessen waren – positive wie negative. Ein Rundgang durch die von Wolfgang Müller bewahrte Welt des DDR-Lebens ist ein kulturhistorischer Schatz in Salzwedel.

VON HOLGER BENECKE

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