Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) will Interessierte schulen

Isegrim auf der Spur

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Wie viele Wölfe leben im Land? Um die Frage zu beantworten, braucht es ein Netzwerk an speziell geschulten Personen. Das Wolfskompetenzzentrum Iden plant deshalb einen Kurs für Interessierte. Spätestens im Herbst soll es soweit sein.

Altmark. Spuren, Risse, Losung – es gibt einige Hinterlassenschaften von Wölfen, die auf ihre Anwesenheit in einem Gebiet schließen lassen, auch ohne sie zu Gesicht zu bekommen.

Diese Nachweise spielen eine wichtige Rolle beim landesweiten Wolfsmonitoring, das zuletzt von elf Rudeln mit mindestens 70 Tieren ausging. Das sichere Bestimmen erfordert jedoch viel Fachkenntnis und Erfahrung.

So zeigt eine Auswertung des Wolfskompetenzzentrums Iden (WZI), dass rund 30 Prozent aller Nutztierrisse im Land auf Hunde zurückzuführen sind. Ein halbwegs sicheres Indiz stellt der Kehlbiss dar, absolute Sicherheit kann jedoch nur ein DNA-Test bringen, weiß WZI-Mitarbeiterin Antje Weber aus Jeggau.

Wolfstrittsiegel sind (ohne Krallen) mindestens acht Zentimeter lang. Das abgebildete misst fast zehn Zentimeter.

Auch bei Spuren kann es rasch zu Verwechslungen zwischen dem Wolf und seinem gezähmten Vetter kommen. Der typische länglich-ovale Pfotenabdruck eines erwachsenen Wolfes ist – gemessen ohne die deutlich erkennbaren Krallen – mindestens acht Zentimeter lang. Da so manche Hunderasse ähnlich große Abdrücke hinterlässt, taugen einzelne Abdrücke in der Regel nicht, um sicher zwischen Wolf und Hund zu unterscheiden. Hierfür müsse man der Spur über eine längere Strecke folgen, erklärt die Wildbiologin im AZ-Gespräch. Denn „typischerweise laufen Wölfe im geschnürten Trab.“ Das heißt: Die etwas kleineren Hinterpfoten werden bei dieser sehr gleichmäßigen und energiesparenden Gangart in die Abdrücke der Vorderpfoten gesetzt. Die auf diese Weise entstehenden Doppelabdrücke liegen bei einer Schrittlänge von mindestens einem Meter (Abstand zwischen jedem zweiten Abdruck) in einer Linie wie an einer Perlenkette aufgereiht. Sind mehrere Wölfe gemeinsam unterwegs, laufen diese gerne hintereinander und treten dabei exakt in die Spur des Vorgängers. Um sich schnell fortbewegen zu können, nutzen Wölfe nicht selten Wald- oder Feldwege.

Hunde bewegen sich dagegen meist im Zickzack und in wechselnder Gangart durchs Gelände, schnüffeln dabei hier und markieren dort. Natürlich kennt auch der Wolf weitere Gangarten wie etwa den schrägen Trab oder den gestreckten Galopp.

Wolfslosung enthält häufig Haare und Knochenstücke.

Um für das landesweite Monitoring noch mehr qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, die eine Wolfsspur erkennen und zudem richtig dokumentieren können, plant das WZI für dieses Jahr einen Kurs für Interessierte. „Das können Ehrenamtliche als auch beruflich mit der Materie Berührte sein, wie Mitarbeiter von Forst und Militär“, erklärt Antje Weber. Im Mittelpunkt stehe dabei nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis, für die es ins Feld gehen wird. Der Kurs werde deshalb nicht unbedingt in Iden über die Bühne gehen, sondern dort, wo mit Wolfsspuren am ehesten zu rechnen ist. In der Altmark rückt dabei vor allem das Revier des im Zichtauer und Klötzer Forst vorkommenden Wolfsrudels in den Fokus. Denn im Gegensatz zu den beiden anderen altmärkischen Rudeln in der Klietzer und der Colbitz-Letzlinger Heide leben die Klötzer Wölfe nicht auf militärisch genutzten Truppenübungsplätzen.

Von Matthias Mittank

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