Die Bahn hängt Salzwedel ab

IRE-Verbindung von Hamburg nach Berlin eingestellt

  • VonArno Zähringer
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Die Altmärker schauen mal wieder in die Röhre, denn die Deutsche Bahn nimmt die Interregio-Express-Verbindung (IRE) von Hamburg über Lüneburg, Uelzen, Salzwedel und Stendal nach Berlin nicht wieder auf.

Ein Zugbegleiter steht am 14. April 2014 auf dem Ostbahnhof in Berlin am Interregio-Express (IRE) Berlin-Hamburg. Damals nahm der IRE erstmals Fahrt auf.

Salzwedel – Das war im Zusammenhang mit dem Fahrplanwechsel im Dezember vorgesehen. Doch es kommt noch schlimmer: Sie stellt die „vergleichsweise günstige Alternative zum Fernbus und zu sonstigen Mitfahrgelegenheiten“ zwischen den Metropolen komplett ein. Das geht aus einer Stellungnahme der DB Regio Nordost hervor. Dort heißt es auch: „Wir bedauern dies sehr.“

Für 19,90 Euro 16-mal pro Tag von Salzwedel direkt nach Hamburg und 17-mal direkt nach Berlin – das ist also vorbei. Befürchtet hatte dies bereits im September der damalige Bundestagsabgeordnete Eckhard Gnodtke (CDU). Und wie er richtig vermutete, sei dies den Gleisbauarbeiten im Bereich Hamburg sowie gesunkener Fahrgastzahlen durch die Corona-Pandemie geschuldet. Gnodtke wollte diese Argumente der Deutschen Bahn allerdings nicht gelten lassen.

Das Comeback des IRE war mehrfach verschoben worden – auf Ende April, den 12. Mai, den 31. Juli und dann auf den Fahrplanwechsel am 12. Dezember (die AZ berichtete). Als Gründe waren seitens des Konzerns steigende Corona-Infektionszahlen, die entsprechend potenziell geringe Auslastung der Züge und damit die fehlende wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie zuletzt umfangreiche Bauarbeiten auf der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Hamburg angegeben worden. Diese führt die Bahn jetzt in ihrem Statement auch als Hauptgrund für das endgültige Aus des IRE an.

„Das Angebot wird bis auf Weiteres eingestellt.“ Die Deutsche Bahn „bedauert das sehr“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Als direkte Verbindung zwischen den Metropolen Hamburg und Berlin via Lüneburg, Stendal und Salzwedel nahm der IRE Berlin-Hamburg am 14. April 2014 erstmals Fahrt auf.

Die Auslastung der Züge und die Rückmeldung der Fahrgäste hätten zwar gezeigt, „dass wir mit diesem Angebot lange Zeit das richtige Produkt zur richtigen Zeit anbieten konnten.“ Allerdings habe die Sperrung der Schnellfahrstrecke Berlin-Hamburg dazu geführt, dass ICE, Güterverkehr und andere Linien über die Strecke des IRE umgeleitet worden seien, der IRE selbst aber dort keine Trasse (Fahrplan) erhalten habe. Doch die Basis für die Verkehrswende sei ein leistungsfähiges und modernes Schienennetz.

„Bedauerlicherweise werden die baubedingten Einschränkungen auch perspektivisch nicht weniger. Mit Blick auf die Jahre 2022 und 2023 müssen wir bereits jetzt feststellen, dass auch in den kommenden zwei Jahren aufgrund umfangreicher Bauarbeiten kein durchgängig verlässliches und kundenorientiertes Angebot und damit kein wirtschaftlicher Betrieb des IRE Berlin-Hamburg realisierbar ist“, teilt die Deutsche Bahn mit. Deshalb habe es für den IRE Berlin-Hamburg immer wieder Wochen oder sogar Monate gegeben, in denen er umgeleitet wurde oder komplett ausfallen musste.

Und abschließend schreibt die Bahn: „Wir bedauern die Einstellung des IRE Berlin-Hamburg sehr und haben uns diese Entscheidung – gerade nach anderthalb Jahren Pandemie – nicht leicht gemacht.“

Rubriklistenbild: © Hannibal Hanschke / dpa

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