Von Woche zu Woche

Irakische Pizza für die Integration

Der Tisch war reich gedeckt. In der Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber in Gardelegen hatten die dort lebenden Familien ihre Helfer zu einem kleinen Fest eingeladen.

Egal ob ehrenamtlich Tätige oder hauptberuflich für die Menschen vorrangig aus Syrien und Afghanistan Verantwortliche: Das Essen sollte ein Dankeschön für die Hilfe sein, die die Fremden bisher in Deutschland erhalten hatten. Eine kleine Geste, gewiss. Aber auch ein positives Zeichen.

Fest steht: Deutschland wird in Zukunft mehr Asylbewerber, vor allem aus Kriegsgebieten, zugeteilt bekommen als bisher. Und auch die Altmark wird die Fremden aufnehmen müssen. Ähnliches gab es schon mal vor rund 20 Jahren, als vor allem aus Afrika, dem Balkan und dem Mittleren Osten Asylbewerber nach Deutschland kamen.

Die Politik pferchte die Menschen damals in so genannte „Gemeinschaftsunterkünfte“. Bevorzugte Objekte waren ausgediente Kasernen und leer stehende Wohnblöcke. Allein in Gardelegen lebten außerhalb der Stadt in einer Gemeinschaftsunterkunft zeitweise mehrere tausend Menschen. Oft Familien mit kleinen Kindern, oft auch alleinstehende junge Männer. Was Probleme mit sich brachte. Mit den Einheimischen, weil diese Ghetto-isierung Ängste und Vorurteile beförderte sowie Begegnungen verhinderte – jeder lebte in seiner eigenen Welt. Und auch in den Unterkünften selbst gab es Probleme. Denn Afrikaner ist beispielsweise nicht gleich Afrikaner. Und Araber nicht gleich Araber. Wessen Volksgruppen oder Glaubensgemeinschaften sich in der Heimat bekriegen, dessen Angehörige werden auf ein und demselben Flur in einer oft wenig einladenden Unterkunft kaum dauerhaft friedlich miteinander leben.

Aus den Fehlern der 1990-er Jahre hat die Politik offenbar gelernt. Heute heißt das Motto: So dezentral unterbringen wie möglich. Und offenbar klappt das – zumindest besser als die Massenvariante vergangener Jahre. Konflikte untereinander werden reduziert, je weniger Asylbewerber unter einem Dach leben. Das Leben in kleineren Gruppen erhöht auch die Chancen, mit Deutschen in Kontakt zu kommen: Man ist eben nicht nur unter sich. Die neue Strategie verhindert keine Konflikte. Aber sie kann sie minimieren. Auch wenn dann immer noch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sein muss.

Apropos Eierkuchen: Die Gerichte, die die Asylbewerber bei ihrem Dankeschönfest für die Helfer auftischten, waren exotisch und gewöhnungsbedürftig. Aber die irakische Variante der Pizza, berichtet ein Teilnehmer, habe „richig gut geschmeckt, da hätte ich mich glatt reinsetzen können.“

Von Stefan Schmidt

Rubriklistenbild: © Schmidt

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