Integration mit Wohlfühl-Effekt

Integration mit Wohlfühl-Effekt: Während Svetlana Ehrentraut die Aussiedlerin Ida Gunner massiert, wird Irina Gäbel von Samad Mohagehg Montazari frisiert.

Von Ulrike Meineke - Salzwedel. Wenn sich Ausländer, die ihren Weg in Salzwedel gefunden haben, um die Integration von Ausländern und Aussiedlern kümmern, dann ist das etwas Besonderes. Svetlana Ehrentraut tut dies – mit Schere, Kamm und ihrer Geschichte.

Ida Gunner lässt sich massieren, und viele Augenpaare sind dabei auf sie gerichtet. Gleich neben ihr hat Irina Gäbel Platz genommen. Sie bekommt von Samad Mohagehg Montazari eine neue Frisur. Der 35-jährige Iraner ist Meister seines Faches, allerdings ohne Anerkennung in Deutschland. Die hat indes Svetlana Ehrentraut mit ihrem mobilen Frisör- und Massageservice – auch ohne deutschen Pass. Den „brauche ich gar nicht“, sagt die Kasachin, die seit zehn Jahren in Salzwedel ist.

Sie erzählt ihre Geschichte gern bei Zusammenkünften von Deutschen und Migranten, denn das ist für sie gelebte Integration. So auch neulich in der Diakonie, wo neben den Aussiedlern auch die Volkssolidaritätsortsgruppe Eva Doß an der Kaffeetafel Platz genommen hatte.

Svetlana Ehrentraut, die kürzlich einen Deutschen geheiratet hat, sieht sich als gutes Beispiel für eine gelungene Integration. Mit ihrer Geschichte will sie Aussiedlern Mut machen – und ihnen helfen. Dabei kommt ihr ein Projekt zu pass, das über das Programm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ (LOS) gefördert wird. Dazu gehört nicht nur Unterstützung für ihre Meisterschule in Magdeburg, sondern auch für ihre Integrationsbemühungen – wie neulich in der Diakonie.

„Ich war in Deutschland immer sozialhilfeabhängig“, erklärte sie ohne Scheu und Scham. Jetzt ist sie es nicht mehr, „und darüber freue ich mich sehr“. Soweit hat es Samad Mohagehg Montazari noch nicht gebracht. Er, Sohn eines Frisörs, trat im Iran in die Fußstapfen seines Vaters, machte seinen Meister. Dieser Brief wird aber in Deutschland nicht anerkannt. Dass er trotzdem ein Profi ist, stellte er in der Diakonie unter Beweis, als er Damen aus der Kaffeerunde zum Zuschauen für alle frisierte.

Profi ist auch Svetlana Ehrentraut, die einen nicht ganz einfachen Weg hinter sich hat. Im Februar 2000 kam sie mit ihrem Mann, inzwischen ihr Ex-Mann, ihren zwei Töchtern und den Schwiegereltern nach Deutschland. Sprachkurse gab es damals nicht, sagt sie, aber sie hatte sich schon in Kasachstan mit der deutschen Sprache beschäftigt. Das Team der Diakonie um Irene Liedtke vermittelte ihr eine Lehrstelle in Dähre, später arbeitete die heute 43-Jährige in Filialen in Salzwedel. Seit anderthalb Jahren ist die Kasachin selbstständig. Nicht nur als mobile Frisörin. Ihr zweites Angebot sind Massagen. Dieses Handwerk lernte sie in einem Würzburger Gesundheitszentrum.

Auch wenn sie in Salzwedel ihren Weg gefunden hat – „Kasachstan bleibt immer meine Heimat“, sagt sie. Ob sie einen deutschen Pass hat oder nicht, „spielt für mich keine Rolle“. Sie kann hier leben und arbeiten, und wenn sie in ihre Heimat reist, braucht sie als Kasachin kein Visum zu beantragen – und zu bezahlen.

Den Damen der Volkssolidarität und den Aussiedlerinnen, die nach diesem Nachmittag wie von Svetlana Ehrentraut versprochen „jünger, hübscher und gesünder“ wirkten, hat das Frisör-Massage-Projekt als integrative Maßnahme sehr gefallen. Man kam ins Gespräch, lernte vieles besser verstehen – und will sich in diesem Rahmen wiedersehen.

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