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Der Ukraine-Krieg und das „Kalinka“ in Salzwedel

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Von: Ulrike Meineke

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„Das ist nicht unser Putin!“ ist ein Satz, der im Salzwedeler „Kalinka“ seit dem Krieg häufiger zu hören ist. Auch ukrainische Flüchtlinge kaufen in dem Spezialitätengeschäft ein. © Meineke, Ulrike

Der Krieg ist derzeit auch im „Kalinka“, dem Geschäft mit russischen Spezialitäten, das Hauptthema. Lieferengpässe gebe es aktuell nicht, auch wenn aus der Ukraine momentan nichts kommt. Russland liefere weiter wie bisher.

Salzwedel – Überall ist Russlands Krieg in der Ukraine das beherrschende Thema. Im „Kalinka“, einem Geschäft mit russischen Spezialitäten an der Buchenallee in Salzwedel, natürlich auch.

Der Laden ist irgendwie auch ein Treffpunkt für Menschen, die aus den ehemaligen Sowjetrepubliken stammen und jetzt in Salzwedel leben. „Auch ukrainische Flüchtlinge kaufen hier ein“, erzählt der Inhaber – Alexander. Anfeindungen jeglicher Art, von denen in den Nachrichten immer wieder aus größeren Städten berichtet wird, gebe es im „Kalinka“ nicht.

„Es ist nicht gut, dass Krieg ist“

„Bei uns ist alles gut“, sagt der gebürtige Kasache mit deutschen Wurzeln, der seit 1996 in Salzwedel ist und das „Kalinka“ seit 21 Jahren betreibt. Vielleicht gebe es nicht so viele Anfeindungen, „weil hier Ex-DDR ist und Salzwedel eine Kleinstadt“.

Im Gespräch mit der AZ zitiert der 57-Jährige einen Kunden, der ihm einmal sagte: „Früher in der DDR konnten wir Nachrichten aus Ost und West sehen. Zum Krieg gibt es bisher nur eine Meinung. Grundsätzlich muss jeder selbst entscheiden, wie er wozu steht.“ Es sei „nicht gut, dass Krieg ist. Krieg ist immer schlecht.“ Der „Kalinka“-Chef berichtet von russischen Kunden, die allesamt eines nicht verstehen können: Was können wir hier für diesen Krieg?

„Warum werden die Kinder das gefragt?“

In der Schule würden russischstämmige Kinder gefragt, woher sie kämen, was sie vom Krieg halten. „Die Kinder sind hier geboren, sie sind Deutsche“, untermauert Alexander. „Warum werden die Kinder in der Schule das gefragt?“ Oft höre er Fragen wie: „Was macht denn euer Putin da?“ „Es ist nicht unser Putin!“, laute dann meist die Antwort.

Waren aus Russland würden aktuell nach wie vor geliefert. Ob das so bleibt – da muss Alexander die Schultern zucken. Aus der Ukraine komme derzeit nichts.

Seine Waren erhält das „Kalinka“ aber auch aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, etwa Milchprodukte aus Litauen. Die Wurstwaren würden in Deutschland nach dem Vorbild der Spezialitäten aus Russland, aber auch aus Georgien, dem Kaukasus oder der Ukraine produziert.

Seit Kurzem hat sich Alexander mit einem „Kalinka“-Onlinehandel ein zweites Standbein geschaffen.

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