Tierseuche

Herpes-Gefahr auf der Pferde-Koppel

Zwei Pferde rasen friedlich auf einer Wiese.
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Pferdehalter in der Altmark sind in Sorge um ihre Tiere, weil im benachbarten Niedersachsen erste Fälle des hoch ansteckenden Pferde-Herpes aufgetreten sind. Das Landratsamt in Salzwedel rät allen Reitern dringend davon ab, an Veranstaltungen teilzunehmen.
  • vonStephan Ernst
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Kontaktbeschränkungen: Dieses Wort gilt in der Corona-Zeit nicht nur für Menschen, sondern nun zusätzlich auch für Pferde. In den vergangenen Tagen häuften sich deutschlandweit und vor allem im benachbarten Niedersachsen die Sorgen in Zusammenhang mit der hoch ansteckenden Pferdeherpes-Krankheit.

Salzwedel/Altmark – Wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung bestätigte, sind inzwischen (Stand Wochenende) fünf Pferde von deutschen Reitern gestorben, zwei davon in Deutschland. Die Altmark ist als Pferdezucht- und Pferdesport-Hochburg bekannt. Daher fragte die AZ bei der Kreisverwaltung und beim zuständigen Veterinäramt nach, wie hoch die Gefahr aktuell ist, was Besitzer und Züchter tun können, wie sich die Krankheit äußert und was der Altmarkkreis aktuell verfügt.

Hintergrund: Bei einem internationalen Turnier in Valencia ist es zu dem laut Weltpferdesportverband (FEI) „vermutlich schlimmsten EHV-1-Ausbruch seit Jahrzehnten“ gekommen. „Das Turnier wurde Ende Februar abgebrochen, weil mehrere Pferde akut erkrankten. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, hat der Weltreiterverband FEI fast alle internationalen Turniere in zehn europäischen Ländern bis einschließlich 28. März abgesagt und empfiehlt den nationalen Verbänden, auch alle weiteren Turniere abzusagen“, informierte die Pressestelle des Altmarkkreises.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat daraufhin in Deutschland ab sofort auch alle nationalen Pferdesport-Veranstaltungen bis einschließlich 28. März abgeblasen. „Es wird dringend empfohlen, auch alle sonstigen Veranstaltungen wie Lehrgänge, bei denen Pferde aus verschiedenen Beständen zusammenkommen, abzusagen. Diese Maßnahmen sind erforderlich, um einer Ausbreitung des Virus vorzubeugen“, teilte Landkreis-Pressesprecherin Inka Ludwig der AZ auf Anfrage mit.

Beim Altmarkkreis Salzwedel wurden für den Monat März bislang keine Pferdesportveranstaltungen angemeldet. Gemäß Paragraf 4 der Viehverkehrsverordnung sind Veranstaltungen mit Pferden dem Veterinäramt vom Veranstalter mindestens vier Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung schriftlich anzuzeigen.

Verursacher der Krankheit ist laut Veterinäramt ein besonders aggressiver Stamm des Equinen Herpesvirus (EHV-1). Das EHV-1-Virus ist hochansteckend und löst neurologische Symptome wie Ataxie oder Aborte aus. Typisch sind ein plötzlicher Erkrankungsbeginn, hohes Fieber, eine gestörte Bewegungskoordination, Kopfschiefhaltung, Hinterhandschwäche und Inkontinenz.

Insgesamt nahmen an dem Turnier in Valencia 752 Pferde teil. Viele von ihnen reisten bereits wieder ab. Wahrscheinlich sind zahlreiche kranke Pferde und Kontakttiere inzwischen wieder in ihren Herkunftsländern und könnten das Virus dort verbreiten.

In Deutschland wurde bereits ein Ausbruch bestätigt, ebenso in Spanien und Belgien. Da das Equine Herpesvirus in Deutschland nicht anzeige- oder meldepflichtig ist, gibt es weder einen genauen Überblick über die Ausbrüche noch seuchenrechtliche Vorgaben der Veterinärbehörden für die aus Spanien zurückgekehrten Pferde. Die Reiterliche Vereinigung hat die betroffenen Reiter zu erhöhter Vorsicht aufgerufen und über erforderliche Hygienemaßnahmen aufgeklärt. Dazu zählt, dass die Pferde bei einer möglichen Einstallung auf der Heimreise und bei der Ankunft im heimischen Stall vorsichtshalber von anderen Pferden zu separieren sowie weitere Hygienemaßnahmen zu ergreifen sind. „Ein striktes Hygieneregime ist bei der Bekämpfung von EHV von besonderer Bedeutung. Im Falle eines Ausbruchs sind Quarantänemaßnahmen dringend zu empfehlen“, so die Pressestelle der Kreisverwaltung weiter.

Unabhängig von den Vorkommnissen in Valencia kommt es auch in Deutschland regelmäßig zu Herpes-Fällen, da das Virus in der Pferdepopulation weit verbreitet ist. Eine Impfung der Pferde gegen EHV ist möglich, jedoch lassen nicht alle Besitzer ihre Pferde immunisieren. Impfungen gegen equine Herpesviren sind vor allem dann sinnvoll, wenn der gesamte Bestand gleichzeitig geimpft wird. Ein Populationsschutz sei damit in Deutschland bei Weitem nicht gegeben. (Kai Zuber)

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