1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Salzwedel

In Andorf entsteht ein neues Dorf

Erstellt:

Von: Holger Benecke

Kommentare

plan
So soll das altmärkische Eco-Village in Andorf mit seinen Tiny-Häusern einmal aussehen. Der Andorfer Markus Sauter hat diesen Plan entworfen. © Privat

Markus Sauter plant in Andorf ein sogenanntes Eco-Village mit Tiny-Häusern. Daran arbeitet der Andorfer schon länger und hat ein ausgewogenes Konzept erstellt. Dafür hat er schon jetzt 21 Interessenten. Denn das Projekt geht neue Wege nicht nur im Wohnungsbau, sondern individualisiert das eigene Leben, setzt aber zugleich auf Gemeinschaft in Verbindung mit ökonomischen wie auch ökologischem Denken.

Andorf - Worum geht es dabei? „Wohnen auf reduziertem Wohnraum spricht Menschen in allen Altersstufen und Lebenssituationen an. Findet sich die Hauptmotivation bei jüngeren Menschen oftmals in einer größeren Mobilität bei gleichzeitig niedrigeren Kosten für die eigene Wohnfläche, so dominiert bei älteren Menschen die Idee einer Reduktion von Wohnfläche auf das Überschaubare“, nennt Sauter den Kerngedanken. Und weiter: „Auch und gerade für ältere Menschen ist diese Wohnform deshalb als Altersruhesitz sehr attraktiv. Das Eco-Village Altmark soll barrierefrei gestaltet sein, sodass auch ältere Menschen und Menschen mit körperlichen Einschränkungen alle Gemeinschaftsflächen uneingeschränkt nutzen können und hierdurch weiterhin ein selbstständiges Leben führen können.“ Für die Dorfbewohner entsteht so die Möglichkeit, den eigenen Wohnraum auf ein überschaubares Maß zu reduzieren und gleichzeitig im eigenen Dorf bleiben zu können.

plan
Das ist der bisherige Plan mit den einzelnen Wohnparzellen und vorgesehenen Gemeinschaftsflächen. © Privat

Experte mit Erfahrung

Markus Sauter hat bereits jahrelange Erfahrungen mit den Tiny-Häusern und hat zahlreiche Workshops für die „Winzig-Häuser“ mit großem Erfolg veranstaltet (wir berichteten). Das Bauvorhaben in Andorf, für das es bereits ein entsprechendes Grundstück gibt, hat Sauter nach Gesprächen mit den direkten Anwohnern überarbeitet und entsprechend angepasst. So wurde das Eco-Village von 20 auf 16 Parzellen reduziert. Acht der Tiny-Häuser besitzen eine Netto-Wohnfläche bis 50 und acht bis maximal 100 Quadratmeter. Die Parkflächen wurden an das östliche Grundstücksende verlegt und hinter dem gesamten Village-Areal wird eine Grünfläche freigehalten. Die westlichen Baugrundstücke wurden von fünf auf drei reduziert und sind für konventionelle Bebauung reserviert. Zudem sind Blickachsen geplant, und eine Fläche stellt Sauter für einen öffentlichen Spielplatz zur Verfügung.

Wie funktioniert das Leben im Eco-Village in Andorf? „Wohnen und Leben im Tiny-House ist gemeinschaftlich, bezahlbar, nachhaltig, zukunftsweisend, genügsam. Die Bewohner leben und arbeiten zusammen am eigenen Quartier. Dabei werden Güter, Flächen und Räume so weit als möglich gemeinschaftlich genutzt“, erklärt der Andorfer Tiny-House-Experte. „Gleichzeitig wird durch Parzellierung von Teilflächen auch der Möglichkeit zur individuellen Entfaltung Rechnung getragen und es entstehen persönliche Rückzugsorte“, fügt er hinzu. Das Dorf soll allgemein zugänglich sein. Gemeinschaftliche Flächen und Räume sollen im angemessenen Rahmen auch den Nachbardörfern zur Verfügung gestellt werden. Weiter hat Sauter künstlerische und kulturelle Veranstaltungen im Kopf, die die Menschen anziehen und ins Eco-Village locken. Markus Sauter schwebt dazu ein Dorf-Café mit Dorfladen vor, der zur Grundversorgung der umliegenden Dörfer beitragen und zum Treffpunkt der Menschen werden könnte.

Häuser
Verschiedene Varianten von Tiny-Häusern. © Privat

Magnet für Zuwanderer

Das Eco-Village Altmark soll durch ein genossenschaftliches Betreibermodell sowie eine gemeinschaftlich organisierte Baugruppe demokratisch funktionieren. Ganz wichtig: Das Wohnen dort soll für alle bezahlbar sein. „Möglich wird dies durch einen geringeren Flächenverbrauch je Bewohner, kostengünstiges Bauen mit reduzierten Standards, hohe Eigenleistungen sowie ein Verteilen der Investitionskosten auf viele Schultern“, erläutert Sauter.

„Gleichzeitig entstehen Synergieeffekte, welche die Kosten weiter senken. Beispielsweise sind ein Mobilitätskonzept mit Carsharing für Elektrofahrzeuge, das Vermitteln von Mitfahrgelegenheiten und öffentliche Ladesäulen geplant“, sind seine Visionen. Der Planer hofft, dass das Andorfer Village als Magnet für junge Familien mit hohem Bildungsniveau auch aus anderen Bundesländern wirkt.

Auch interessant

Kommentare