Bundeswehr hinter Corona in Deckung gegangen

Im Tiefflug Richtung Osten

Hubschrauber Wildgänse
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Hubschrauber über den Brietzer Teichen: Am 15. März scheuchte dieser Heli um 12.07 Uhr Wildgänse in dem Vogelparadies auf. Olaf Olejnik vom BUND kämpft gegen das Flugverhalten der Bundeswehrpiloten.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Die Helis sind wieder da. Landwirten und BUND ist es bislang nicht gelungen, mit der Bundeswehr an einen Tisch zu kommen, um die Frage der Hubschraubertief- und -tiefstflüge am Grünen Band und in anderen Schutzgebieten nördlich von Salzwedel auf einen vernünftigen Nenner zu bringen. Die Bereitschaft, sich abzustimmen liegt von Julius Kurzweg (Herdenmanager der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier) und Olaf Olejnik (Ornithologe am Grünen Band, BUND) schon seit Langem vor.

Salzwedel - Die Bundeswehrpiloten vom Transporthubschrauberregiment 10 „Lüneburger Heide“ aus Faßberg, die sich selbst die „Heideflieger“ nennen, fliegen aber gar nicht in der Lüneburger Heide – auch dort gibt es einen schönen Naturpark – sondern im Osten am Grünen Band. Das ist als Nationales Naturmonument eingestuft. Doch offenbar wird der ehemalige Todesstreifen sein militärisches Flair nicht los. Seit 2004 exerzieren die Hubschrauber dort, manchmal sogar auf Augenhöhe mit Jägern, die auf ihren Kanzeln sitzen. Dürfen sie auch. Denn zwischen dem Verteidigungs- und dem Bundes-Verkehrsministerium wurde vor langer Zeit ein Tiefflugkorridor „von Faßberg in Richtung Osten“ ausgehandelt. Anders wie bei den Bodentruppen, die sich für ihre Manöverspiele vorher beim Altmarkkreis anmelden müssen, richten sich die Flieger nach dem Wetter und können am Grünen Band Krieg spielen, wie sie wollen.

Olaf Olejnik (l., Ornithologe am Grünen Band, BUND) und Julius Kurzweg (Herdenmanager der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier).

Auch die verschiedensten Bundeswehrdienststellen – zuletzt der Stab der Division Schnelle Kräfte im hessischen Stadtallendorf, der die „Heideflieger“ unterstehen – alle signalisierten Gesprächsbereitschaft mit den altmärkischen Landwirten und Naturschützern, verschanzten sich dann aber hinter der Pandemie. Diese verhinderte bislang ein gemeinsames Treffen, nicht aber die Flugübungen.

Diese haben seit Kurzem wieder verstärkt eingesetzt. Herdenmanager Julius Kurzweg wurden fünf Sichtungen an zehn Tagen im Raum Riebau-Mechau am Grünen Band gemeldet. Er ist besorgt um seine Tiere: „Wir sind in den Vorbereitungen zur Weidesaison. Die Hubschrauber müssen den Tieren den Stress nicht antun“, ist er verärgert. Sein Betrieb hat 1500 Rinder, davon 750 Kühe, die von 35 Mitarbeitern, darunter fünf Lehrlinge, betreut werden. Rund 1000 Hektar Grünland an zehn Ortslagen zwischen Riebau, Jeebel, Groß Chüden und Mechau werden von den Pretzierern bewirtschaftet. Im Schnitt sind 130 Färsen und trockenstehende Kühe in zwei Herden auf den Weiden, über die die Helicopter donnern.

Tiefflugübungsgebiet Naturmonument Grünes Band: Herdenmanager Julius Kurzweg macht sich Sorgen um seine Tiere, die demnächst wieder dort weiden sollen.

Auch andere Tiere, nämlich Vögel, schrecken die Hubschrauber an den Brietzer Teichen auf. Auf dem rund 100 Hektar großen Feuchtbiotop für Zug- und Brutvögel mit vier großen Seen und mehreren Flachgewässern leben sogar Seeadler. Kein Wunder, dass BUND-Mitarbeiter Olaf Olejnik die Hubschrauber ein Dorn im Auge sind: „Gegenwärtig ist der Vogelzug aus Richtung Südwest und Süd zu uns und über uns hinweg in vollem Gange. Das geht bis Mitte Mai. Da sollte man woanders fliegen. Ein vorheriges Gespräch hätte helfen können.“

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