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„Ich war ein getriebener Hund“

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Von: Arno Zähringer

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Hermann Audorf, in Salzwedel geboren und aufgewachsen, blickt in zwei Büchern auf sein Arbeitsleben zurück. © Zähringer, Arno

Er geht auf die 89 zu, doch Hermann Audorf steckt noch immer voller Tatendrang. Kurz vor Weihnachten hat er zwei Bücher veröffentlicht. In „Mein Zeitalter wird besichtigt, ein Studienrat blickt zurück“ beschreibt er seine Erinnerungen und Ansichten, die er als Zeitzeuge und aufmerksamer Beobachter gesammelt hat.

Salzwedel - Deshalb ist sein knapp 300 Seiten umfassendes Werk aus vielerlei Gründen interessant und lesenswert. Audorf, der in Salzwedel geboren und aufgewachsen ist und hofft, „mein Leben hier zu beenden“, blickt dabei nicht nur zurück, sondern behandelt auch die Gegenwart. Er spricht über die „beklagenswerte Situation von heute, über die Misere des Lehrermangels mit all seinen Auswirkungen und Nebenerscheinungen“.

Beklagenswerte Situation

Und der ehemalige Studienrat stellt in seinem Buch auch Fragen: „Warum nur ein zentrales Abitur, warum nicht gleich ein zentrales Bildungssystem?“ Und er gibt auch Antworten dazu. „Dann entfielen die 16 Bildungsministerien auf Landesebene und die Konferenzen der zuständigen Bildungsminister. Die eingesparten Gelder könnten für die Sanierung der Schulen verwendet werden.“ Schließlich beträfen die Probleme in den Schulen nicht nur das Land Sachsen-Anhalt, sondern seien auch über die Landesgrenzen hinaus existent.

Um persönliche Lebenserinnerungen, Ansichten, Gedanken und Beobachtungen geht es in „Ende gut – alles gut – und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende“. Dazu schreibt der Block-Verlag, in dem das Buch erschienen ist: „In einem langen Leben hat der Autor viel erlebt, miterlebt und manches gelitten. Die Betrachtungen gehen auch tief in die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse. Eine Geschichte, eine Zeitgeschichte wird in diesen Texten deutlich.“ Denn der Autor lebte in vielen Ordnungen, die Gesellschaft veränderte sich und mit dieser auch die persönlichen Lebensverhältnisse der Familie.

Jüngster Direktor in der früheren DDR

Eigentlich sollten die Bücher bereits in der Vorweihnachtszeit erscheinen, doch es gab Probleme beim Beschaffen von Papier, erzählt Audorf im Gespräch mit der AZ. 1957 ist der ehemalige Studienrat zum stellvertretenden Direktor der damaligen Jenny-Marx-Oberschule ernannt worden. „Ich war gerade einmal 25 Jahre jung, war damit der jüngste Direktor der DDR – mit Eierschalen hinter den Ohren“, berichtet der Salzwedeler schmunzelnd. Kurz vor der Wende musste Audorf aus gesundheitlichen Gründen aufhören.

An seine einjährige Zeit in der Schule in Pretzier hat Audorf keine guten Erinnerungen. „Wenn ich daran denke, dann wird mir übel“. Als Junglehrer erlebte er dort eine „Pionierzeit par excellence, weil jeder machte, was er wollte“. Das hatte durchaus seinen Reiz, „man lief an der langen Leine, denn durch Improvisation wurden Erfahrungen gesammelt“.

Dort lernte er eine Schülerin kennen, die an einer Lese-Rechtschreibschwäche litt. Wie damit umgegangen werden sollte, dazu hatte niemand eine Ahnung. Deshalb nahm sich Audorfs während seiner Zeit als Lehrkraft dieses Problems an und veröffentlichte in der Folge zehn pädagogische Lehrschriften in der Zeitung der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung, die am 31. Oktober 1990 aufgelöst wurde.

Audorf, der von sich selbst sagt, „ich war ein getriebener Hund“, hatte die Chance, Schulrat in Berlin zu werden. „Dann hätte ich nicht mehr unterrichten können. Doch nur ein Apparatschik zu sein, war meine Sache nicht.“

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