Wie ein Salzwedeler Unternehmer sich durch die Corona-Krise kämpft

„Ich bin Ossi – wir halten durch“

Zweiter Lockdown: Kupfermusik-Chef Maik Rossat braucht starke Nerven. Von den Politikern fühlt er sich ziemlich alleine gelassen. Aufgeben ist für ihn aber keine Option.
+
Zweiter Lockdown: Kupfermusik-Chef Maik Rossat braucht starke Nerven. Von den Politikern fühlt er sich ziemlich alleine gelassen. Aufgeben ist für ihn aber keine Option.

Salzwedel – Kupfermusik ist als Unternehmen der Veranstaltungsbranche von der Corona-Krise stark betroffen.

Anfang 2020 hatte Geschäftsführer Maik Rossat noch volle Auftragsbücher: Messen im In- und Ausland, Feste, Konzerte und zahlreiche andere Veranstaltungen standen auf dem Programm.

Und dann kam Corona. Schon im Februar trudelte die erste Absage ein, dann wurden es immer mehr. Bis im März mit dem ersten Lockdown alles zum Erliegen kam.

Maik Rossat schickte seine beiden fest angestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit und beantragte für die laufenden Kosten Überbrückungshilfe. Von den 8000 Euro, die dem Einzelunternehmer bewilligt wurden, bezahlte er unter anderem die Miete für seine zwei großen Lagerhallen, Leasing- und Kreditraten, Strom und gesetzlich vorgeschriebene Überprüfungen seiner technischen Geräte.

Geld für den eigenen Lebensunterhalt gab es nicht. „Das muss man von Rücklagen bestreiten – oder Hartz IV beantragen“, erklärt der gelernte Mauer, der 1994 als Quereinsteiger erfolgreich in die Veranstaltungsbranche wechselte. „Aber das käme für mich nie infrage.“

Die Sommermonate hielt Rossat sich mit Kleinaufträgen über Wasser, stellte etwa die Technik für Konzerte im Garten von Seniorenheimen. Kollegen versuchten Geld zu verdienen, indem sie mit Musikern kooperierten und Konzerte live ins Internet übertrugen.

„Aber das hat sich bei denen nicht gerechnet und wäre für uns keine Lösung“, so Rossat. „Kupfermusik ist ein Technik- und Handwerksunternehmen. Das kann man nicht einfach ins Digitale verlagern.“

Die 8000 Euro vom Staat waren bald aufgebraucht. Doch die laufenden Kosten gingen unvermindert weiter. „Wenn ich nicht Partner wie die Sparkasse hätte, die auch mal eine Kreditrate stunden, dann könnte ich diese Situation wirtschaftlich nicht stemmen“, sagt der 46-Jährige.

Auch mit seinem Vermieter hat Rossat Glück. Die Hallen, in denen das Equipment von Kupfermusik lagert, gehören der Familie von Jürgen Kupfer, dem früheren Firmeninhaber. Die lässt Ex-Mitarbeiter Maik Rossat in dieser Situation nicht hängen.

Darauf angesprochen, wie die Politik ihn besser unterstützen könnte, reagiert Rossat ärgerlich: „Wir sind ganz offensichtlich nicht systemrelevant! Die Kulturbranche wurde zuerst geschlossen, und wir werden auch die Letzten sein, die wieder aufmachen dürfen.“ Die Vergabe der Corona-Hilfen findet er zu kompliziert: “Der Zugang zu den Hilfen müsste viel unbürokratischer sein.“

Die Veranstaltungsbranche rechnet laut Rossat damit, dass die Corona-Krise noch bis Ende 2022 andauern könnte. Das ist noch eine lange Durststrecke.

Wird Maik Rossat das schaffen, oder wäre für ihn irgendwann der Punkt erreicht, wo er den Laden dichtmachen würde? „Auf gar keinen Fall“, sagt Rossat stolz, „Ich bin Ossi – wir halten durch!“ VON BEATE ACHILLES

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare