„Ich finde ihn einfach knuffig“

Andreas Bindemann liebt seinen Trabant und fährt mit ihm auch zu Kunden

Andreas Bindemann vor seinem Trabant P 601 aus dem Jahr 1986.
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Andreas Bindemann vor seinem Trabant P 601 aus dem Jahr 1986. Der gelernte Autoschlosser hat das Fahrzeug in fünf Monaten liebevoll restauriert. Seit März nutzt Bindemann das Fahrzeug sogar hin und wieder für berufliche Fahrten.
  • Christian Reuter
    vonChristian Reuter
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Andreas Bindemann hat eine besondere Vorliebe für die DDR-Automarke Trabant, noch mehr aber liebt er seine Lebensgefährtin Michaela. Deshalb holte der Salzwedeler nach 30 Jahren seinen alten Trabi aus der Scheune und machte ihn in fünf Monaten wieder flott. „Sie wollte mal wieder Trabi fahren“, begründet der 58-Jährige sein Engagement.

Salzwedel – Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Der sieht ja aus wie gerade ausgeliefert“, habe ein Mann aus Zwickau gesagt, der vor Kurzem in Salzwedel den Trabi auf der Straße gesehen und bewundert habe, erzählt Bindemann. „Und wenn der Trabi an der Kreuzung steht und tuckert, dann schauen selbst junge Leute von ihrem Handy auf und grüßen.“

Die Innenausstattung ist übersichtlich, größere Ansprüche an Komfort sollte man aber nicht haben.

Die Begeisterung für Trabis hatte er schon als junger Mann, von 1983 bis 1986 sei er mit einem gletscherblauen Trabi zur Armee gefahren. „1991 habe ich mir dann im damaligen Salzwedeler Autohaus Hornkohl einen Trabant gekauft, für 150 D-Mark“, erinnert sich Andreas Bindemann zurück.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Trabant P 601 S deluxe, Baujahr 1986, 26 PS. Der Trabi habe dann 30 Jahre in einer Scheune in Groß Chüden gestanden, bis zum letzten Herbst, als Bindemanns Lebensgefährtin den Anstoß für das Restaurieren gegeben habe.

Die DDR-Qualitätsplakette gab es zum TÜV dazu.

„In fünf Monaten habe ich das Auto komplett ausgeschlachtet, Batterie, Bremsen, Achsaufhängungen und Auspuff erneuert. Im März bin ich fertig geworden. Da hat der Trabi ohne Probleme TÜV bekommen und die DDR-Qualitätsplakette noch dazu“, berichtet der gelernte Autoschlosser. Die nötigen Teile habe er im Internet bestellt, „für den Trabi erhält man wirklich noch alles“. Übrigens erstrahlt der Wagen nun auch in gletscherblau, so wie sein erster Trabi. Eine Lackiererei aus Salzwedel habe das erledigt, die hätten noch die Rezeptur gehabt.

Der Tacho zeigt erst 79 000 Kilometer an. Der Besitzer meint, er könne noch zehn Jahre mit dem Trabi fahren.

Seit etwa einem Monat fährt Andreas Bindemann nun schon mit seinem Trabi durch die Gegend, wobei es eigentlich gar nicht seiner ist. Er habe ihn auf den Namen seiner Frau zugelassen: „Die ist auch begeistert von dem Fahrzeug.“

Beim Fahrzeug von Andreas Bindemann handelt es sich um einen Trabant P 601 S deluxe.

Übrigens nutzt Bindemann das Auto nicht nur für Ausflüge mit seiner Michaela, sondern auch für berufliche Fahrten. „Die meisten Kunden schmunzeln, wenn sie mich sehen“, sagt er. Bei schönem Wetter fahre er mit dem Trabant auch schon mal bis nach Dannenberg oder Gardelegen. „Der Trabi ist für mich kein Oldtimer, sondern Nostalgie. Ich finde ihn einfach nur knuffig.“ Ach, muss Liebe schön sein ...

Fährt mit: gehäkeltes Toilettenpapier-Hütchen.

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