So wählten die Salzwedeler / Nils Krümmel holte die Stimmen, seine Partei nicht

„Ich bin enttäuscht“

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Nils Krümmel war enttäuscht, will weiter Politik für die Freien Wähler machen. Seine Parteifreunde, Enrico Dannies (l.) und Renee Sensenschmidt, unterstützen ihn.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Im neuen Bundestag sitzen nur noch zwei Altmärker statt bisher vier: Dr. Herbert Wollmann (SPD) über das Direktmandat und Dr. Marcus Faber (FDP) über die Liste. Auch in der alten Hansestadt standen die Sozialdemokraten am höchsten in der Wählergunst (28,34 Prozent) – Wollmann holte mit der Erststimme 24,34 Prozent.

Salzwedel - Salzwedels Hoffnung, Nils Krümmel (Freie Wähler), schaffte den Einzug ins deutsche Parlament nicht. Das lag nicht an ihm. Aber er ist der Verlierer der Wahl. 1420 Salzwedeler (11,23 Prozent) gaben Krümmel ihre Stimme, wollten ihn im Deutschen Bundestag sehen. Damit hatte ihr Favorit aus dem Stand ein beachtliches Ergebnis eingefahren. Doch nur 562 Hansestädter (4,44 Prozent) wählten die Partei, für die Krümmel angetreten ist.

In Henningen hatte Krümmel das beste Ergebnis – 14,43 Prozent. In Pretzier überrundete Krümmel (9,72 Prozent) sogar den Freidemokraten Faber (7,54 Prozent, der über die Zweit-, also Parteienstimme in den Bundestag einzieht).

In Tylsen wählte gar nur ein Einziger die Freien Wähler. Seine Krux wird in Rockenthin am deutlichsten: Krümmel bekam 12,31 Prozent auf seinen guten Namen, die Freien Wähler nicht eine einzige Stimme. Auch in Eversdorf nutzten Nils Krümmel seine sieben Prozent nichts, auch dort bekamen die Freien Wähler keine Stimme. Hätte die Partei die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit genommen, hätte Nils Krümmel einen weiteren Sitz für die Altmärker im Reichstagsgebäude einnehmen können.

„Ich bin enttäuscht“, sagte Krümmel, nachdem das Wahlergebnis feststand, gegenüber der AZ. Und meinte damit das Zweitstimmenergebnis – die Stimmen für die Partei, die Freien Wähler. Er hatte fast dreimal so viele geholt, wie seine Partei bekommen hat. „Das war schon bei der Landtagswahl so“, resümierte der Altmärker der Freien Liste. Für Krümmel aber kein Grund, das Handtuch zu werfen. Der 57-Jährige will sich nun wieder auf die Arbeit an der Basis konzentrieren: „Ich werde nicht nachlassen, mich für unsere Ziele und Lösungen für mehr Klimaschutz ohne Verbote, Chancengleichheit für alle, innere Sicherheit und regionale Wertschöpfung einzusetzen.“

Wahlvorsteher 02/66, Eiko Petruschkat, bringt die versiegelte Urne im Kulturhaus in einen Nebenraum zum Auszählen.

Insgesamt lag die Wahl in Salzwedel im Bundestrend. Die SPD preschte mit 28,34 Prozent vor – fast zehn Prozent (!) mehr als die CDU (18,91 Prozent). Kurz dahinter die AfD mit 16,95 Prozent. In einigen Wahllokalen überrundete die AfD sogar die CDU – Chüttlitz: CDU = 20,24, AfD = 20,72 Prozent und Henningen: CDU = 17,17, AfD = 19,19 Prozent.

In Ritze konnten sich die Wähler nicht entscheiden, welche Partei künftig das Land regieren soll. CDU und SPD zogen gleich: je 19,68 Prozent. In Seeben hingegen gab es ein klares Votum für die AfD (27,53), gefolgt von der SPD (23,89) und der CDU (18,22 Prozent).

Die Wähler, die in der Salzwedeler Jenny-Marx-Turnhalle ihre Zettel in die Urne warfen, wählten zwar haushoch sozialdemokratisch (30,21), wollten aber offenbar der AfD eine Chance lassen (20,52 Prozent). Die Christdemokraten erhielten dort eine eindeutige Wahl-Watsche (12,87 Prozent).

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