Schäfer gründen Interessengemeinschaft Wolfsschutz / Task Force gebildet

Hunde und Zaun sollen gegen Isegrimm helfen

+
Herdenschutzhunde im Einsatz: Nicht anlocken, füttern, berühren und vor allem nicht die Koppel betreten.

Altmark. Herdenschutzhunde plus Zaun – darin sieht Sven Keller das beste Rezept gegen Wolfsattacken. Der Landwirt kennt das Problem. Bei ihm hatte es Anfang 2017 zwei Kälber erwischt. Meist würden Schafherden von Wölfen angegriffen.

Aber auch andere Tierarten wie Ziegen, Mufflon oder Alpaka seien nicht (mehr) sicher. Was der Räuber leicht erbeuten kann, komme bei ihm auf den Speisezettel.

Kellers Schlussfolgerung: „Wir müssen uns schützen.“ Mit einem einfachen Elektrozaun und kuscheligen Hütehunden sei es dabei nicht getan. Daher schaffte er sich Herdenschutzhunde an, die speziell ausgebildet und auf seine Herden geprägt sind. Seitdem hat er Ruhe. Die positiven Erfahrungen gibt er nun weiter. Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründete er Anfang 2018 in Sandbeiendorf bei Tangerhütte eine landesweite Interessengemeinschaft (IG). Von den knapp zwei Dutzend Mitgliedern kommen die meisten aus der Altmark.

Nach einer Wolfsattacke bei Uchtdorf hat sich Schäfer Joachim Rohloff Herdenschutzhunde angeschafft.

Unterstützt wird das Projekt von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. „Wir schützen den Wolf, indem wir dem Tierhalter helfen“, begründet Vorstandsmitglied Peter Schmiedtchen das Engagement. Die Gesellschaft hilft nicht nur beim Anschaffen und Ausbilden geeigneter Schutzhunde, sondern finanziert auch eine „Schnelle Eingreiftruppe“ (Task Force).

Setzen auf Herdenschutz (v.l.): Torsten und Christian Kruse, Ronald Gericke (Badingen) sowie Swen Keller.

Wenn sich Tierhalter akut bedroht fühlen, etwa ein Wolf in der Nähe ihrer Herde gesichtet wurde, können sie sich an Sven Keller wenden. Der rückt dann mit seinem Knowhow sowie Schutzhunden an und bewacht die Herde solange, bis der Betroffene selbst gerüstet ist. Das Angebot gilt deutschlandweit und ist für die Tierhalter kostenlos.

Wenn die Schutzhunde auf die Herden geprägt sind, lassen sie weder Raubtiere noch andere Ruhestörer mehr heran.

Christian und Torsten Kruse sind Gründungsmitglieder der IG. Die Schafzüchterfamilie aus Uthmöden hat sich nach mehreren Rissen gleich zehn Kaukasier angeschafft. Seitdem macht Isegrim einen Bogen um ihre Herden. „Seit einem Jahr hatten wir keinen Wolf mehr auf der Überwachungskamera“, sagt Christian Kruse. Ein billiges Vergnügen ist der Wolfsschutz nicht. Rund 500 Euro kostet die Anschaffung eines Hundes dieser Rasse. Hinzu kommen monatliche Futterkosten von rund 100 Euro pro Tier. Sicherlich ein Grund, warum noch immer einige Schäfer nur auf Zäune vertrauen oder auf das Jagdrecht setzen.

„Mit Herdenschutz beschäftigen sich die Tierhalter erst, wenn etwas passiert“, berichtet Sven Keller, auch aus eigener Erfahrung. Für ihn steht fest: „Durch Abschuss wird man das Problem nicht lösen.“ Das habe bei anderen Tierarten wie Waschbären auch nicht funktioniert. „Der Wolf gehört nun wieder zur heimischen Fauna und wir müssen lernen, mit ihm klar zu kommen“, sagt der Herdenschutzberater.

Von Christian Wohlt

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare