Bastler, Tüftler und Erfinder: Wenn Ralf Göpfert seinen „Ragoe“ aufdreht

Der Herr der Röhren

Informationstechniker Ralf Göpfert vor nur einem kleinen Teil seiner Sammlung im ehemaligen Wistedter Konsum: Dort atmet jeder Raum Rundfunk- und Fernsehgeschichte. Den Altmärker haben es vor allem die Röhrengeräte angetan. Fotos (11): Benecke
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Informationstechniker Ralf Göpfert vor nur einem kleinen Teil seiner Sammlung im ehemaligen Wistedter Konsum: Dort atmet jeder Raum Rundfunk- und Fernsehgeschichte. Den Altmärker haben es vor allem die Röhrengeräte angetan.
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Wistedt. „Ich habe mich damit abgefunden, so lange mir nichts ins Haus kommt“, schmunzelt Swetlana Göpfert. Und so bastelt ihr Mann Ralf gegenüber im ehemaligen Wistedter Konsum.

Dieser ist bis unter das Dach angefüllt mit Radios, Fernsehern, Verstärkern und alles, was die Unterhaltungselektronik dieses und des vergangenen Jahrtausends zu bieten hat. Und den besten Klang hat immer noch ungeschlagen der gute alte Rema Andante. Das Besondere an Göpferts Radio- und Fernsehtürmen: Alle Geräte funktionieren. Denn das kann Ralf Göpfert überhaupt nicht verknusen, wenn Radios oder Fernseher kaputt sind.

„Ich bin Röhrenliebhaber“, gesteht der 49-Jährige und bekommt strahlende Augen. Ralf Göpfert ist nicht nur Bastler aus Leidenschaft – er kommt vom Fach. Gelernt hat er Funkmechaniker. Die Leidenschaft erbte er von seinem Großvater. Wilhelm Göpfert hatte in Salzwedel am Südbockhorn ein Geschäft. „Das waren mal eine Tankstelle und eine Schmiede. Aus der Schmiede wurde ein Laden für Kfz-Elektrik, dann kam die Fernsehtechnik hinzu“, erinnert sich Ralf Göpfert.

Ein Fundus der Rundfunk- und Fernsehgeschichte

Ein Fundus der Rundfunk- und Fernsehgeschichte

Im Jahr 2000 kaufte er sich ein Haus in Wistedt von der Treuhand. Zu dem Los gehörte auch der gegenüberliegende ehemalige Konsum. 2002 machte sich der Altmärker dort selbstständig. Und repariert alles Elektronische – vom Weidezaungerät bis zum Fernseher. Dazu kommen Eigenentwicklungen. So hat er einen modernen Verstärker gebaut – mit Röhren. Das Teil heißt „Ragoe“ (nach Ralf Göpfert) und ist ein Unikat. Ein weiteres ist ein „Ragoe“-Verstärker (4 x 45 Watt) mit Radio, CD-Player und Effektbeleuchtung.

Apropos Verstärker: In Göpferts Reich befindet sich noch ein solcher, mit dem die ersten Rock´n´Roll-Bands loszogen. Der brachte immerhin schon zehn Watt, wog dafür aber satte 70 Kilogramm. Da mussten die Techniker noch dicke Arme haben.

In einer anderen Ecke findet sich ein Fernseher des Typs „Patriot“ aus dem VEB Stern-Radio Staßfurt. Der kam 1961 gerade rechtzeitig auf den Markt, um den Mauerbau im Westfernsehen mit zu verfolgen. Auch die Sammlung der DDR-Kassettenrekorder ist sehenswert. Göpfert hat einfach alles: Vom kleinen „Mira“ mit eingebautem Mikrofon über die nach Jugendweihen gern gekauften „Sonett“ und „Anett“ sowie den legendären Stern-Recorder R 160 bis hin zum Großgerät SKR 500, für den man damals stolze 1400 DDR-Mark auf den Tresen des RFT-Ladens (Rundfunk- und Fernmelde-Technik) hinblättern musste.

Von Holger Benecke

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