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Heli-Hatz in „Natura 2000“

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Von: Holger Benecke

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Hubschrauber
Die „Heideflieger“ über dem Grünen Band: Zum Glück waren an diesem Tag die Färsen noch nicht abgeladen. Die vielfältige und geschützte Vogelwelt gerät bei jedem Überflug in helle Aufregung. © Privat

In der Ukraine tobt der Krieg und am Grünen Band veranstaltet die Bundeswehr weiter Kriegsspiele. Ausgerechnet in einem Schutzgebiet und ausgerechnet während der Brutzeit. Dabei hätten die Piloten vom Transporthubschrauberregiment 10 „Lüneburger Heide“ in Faßberg gleich in der Nähe ihres Standortes einen Truppenübungsplatz für ihre Manöver, würden sogar noch Sprit sparen. Aber auch das Gefechtsübungszentrum Letzlinger Heide mit einer eigenen rund 140 Millionen Euro teuren Übungsstadt stünde zur Verfügung.

Salzwedel - Nein, es muss das Schutzgebiet Grünes Band sein, das zum europäischen Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“ gehört. Und zwar schon seit 2004. Grundlage dafür ist eine seinerzeitige Absprache zwischen dem Verteidigungs- und dem Bundes-Verkehrsministerium über einen Tiefflugkorridor „von Faßberg in Richtung Osten“. Und: Die Manöverspiele müssen vorher nicht angemeldet werden. Das richtet sich bei den Fliegern nach der Wetterlage. Aber: „Eine ausgewiesene Übungsstrecke der Bundeswehr für Tief- bzw. Übungsflüge, vorzugsweise mit Hubschraubern, ist im Bereich des Grünen Bandes nicht etabliert“, bekam Dieter Leupold, stellvertretender BUND-Landesvorsitzender und Koordinator Grünes Band Sachsen-Anhalt, auf seine Demarchen hin von der Bundeswehr zu hören.

Tafel
Für Fußgänger gilt Betretungsverbot, um die Natur am Grünen Band zu schützen. Hubschrauber dürfen bis zu drei Meter runtergehen. © Privat

Keine Gespräche, Proteste ausgesessen

Auch alle möglichen anderen Bundeswehrdienststellen bis hin zur zuständigen Division Schnelle Kräfte im hessischen Stadtallendorf verschanzten sich hinter Corona oder sitzen die Proteste auf ihren Gefechtsstandsesseln einfach nur aus. Gespräche mit Naturschützern, Landwirten und Jägern, die seit Jahren Sturm gegen die Tiefstflüge im Grünen Band laufen, hat es bislang nicht gegeben.

Eine Vielzahl von Vogelarten, darunter Gänse, Schwäne, Weiß- und Schwarzstörche, See- und Fischadler, Kiebitze und viele andere sind in der Landgraben-Dumme-Niederung zu Hause. „Diese Vögel werden durch die Tiefflüge massiv gestört“, weiß Dieter Leupold und umreißt den Bereich von Darsekau bis Schrampe.

Bis drei Meter dürfen die Maschinen runter

Gleiches gilt für Rinderherden, die am Grünen Band weiden und durch die Tiefflüge in helle Aufregung versetzt werden. Davon kann Herdenmanager Julius Kurzweg von der Agrarerzeugergemeinschaft (AEG) Pretzier ein Lied singen. „Wir haben die Färsen rausgebracht. Die Stimmung war angespannt, denn die Hubschrauber sind nach wie vor am Grünen Band unterwegs“, berichtet Kurzweg. Und: Wie bestellt brausten die Helicopter heran. Und diese dürfen bis zu drei Meter (!) heruntergehen.

Rund 1000 Hektar Grünland an zehn Ortslagen zwischen Riebau und Mechau werden von den Pretzierern bewirtschaftet. Im Durchschnitt haben sie 130 Färsen und trockenstehende Kühe in zwei Herden auf den Weiden am Grünen Band.

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