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Heli-Alarm am Grünen Band nördlich von Salzwedel

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Von: Holger Benecke

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Durch Hubschrauber aufgeschreckte Gänse am Grünen Band nördlich von Salzwedel. Das kann auch zu einer Gefahr für die Piloten werden. © Privat

„Durch die Tiefflüge der Bundeswehrhubschrauber über dem Grünen Band und umliegenden Gebieten in der Landgraben-Dumme-Niederung wurde die Tierwelt in diesen Bereichen massiv gestört.“ Dieter Leupold, stellvertretender BUND-Landesvorsitzender und Koordinator Grünes Band Sachsen-Anhalt, ärgern die vermehrten Tiefflüge über dem Schutzgebiet, die ihm im vergangenen Jahr von seinen Mitarbeitern, Landwirten und Anwohnern besonders im Bereich Seeben, Cheine, Brietz und Klein Chüden gemeldet wurden. Erneut wendet er sich an die Bundeswehr.

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Dieter Leupold, BUND-Landes-Vize. © Westermann, Thomas

Salzwedel - „Der BUND Sachsen-Anhalt hat sich schon vor einiger Zeit mit der Frage nach den Genehmigungen für diese Flüge an die zuständigen Behörden gewandt, jedoch von dort keine befriedigende Auskunft erhalten“, ärgert sich Dieter Leupold.

Und schildert nochmals die Hintergründe in seiner aktuellen Anfrage an die Bundeswehr: „Der BUND sieht in diesen Tiefflügen eine erhebliche Beeinträchtigung der Vogelwelt in unseren Projektgebieten, insbesondere in den Hot-Spot-Gebieten Cheiner Torfmoor und an den Brietzer Teichen. Erstgenanntes Gebiet ist zudem Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes Landgraben-Dumme-Niederung und damit Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzwerkes Natura 2000.“

„Erhebliche Beeinträchtigung“

Leupold verweist auf eine Vielzahl von Vogelarten, darunter Gänse, Schwäne, Weiß- und Schwarzstörche, See- und Fischadler, Kiebitze und viele andere, die in der Landgraben-Dumme-Niederung zu Hause sind. „Diese Vögel werden durch die Tiefflüge massiv gestört. Gleiches gilt für Rinderherden, die am Grünen Band weiden und durch die Tiefflüge in helle Aufregung versetzt werden“, haben Leupold und seine Mitarbeiter beobachtet.

Auch eine Gefahr für die Piloten

Der Koordinator des Grünen Bandes hofft nun, endlich Antworten auf seine Fragen von den verantwortlichen Stellen der Bundeswehr zu bekommen. Zum Beispiel die nach der Genehmigung der Flüge und die Vereinbarkeit mit dem europäischen Naturschutzrecht. Zudem ist Leupold auch die Regelmäßigkeit der Einflüge ins Grüne Band ein Dorn im Auge.

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Tiefstflüge im Schutzgebiet: Naturschützer und Landwirte schlagen seit Jahren Alarm und stoßen auf taube Ohren. © Privat

Weiter bemängelt der BUND-Vize in Sachsen-Anhalt, dass bislang noch keine Alternativen geprüft wurden. Leupold: „Wir hoffen, dass der Flugkorridor in ein anderes Gebiet mit weniger sensiblen Biotopen verlegt wird, damit am Grünen Band in den kommenden Jahren wieder Ruhe einkehrt.“

Der Naturschützer denkt dabei aber auch an die Bundeswehr-Piloten: „Nicht zuletzt stellen die Vogelansammlungen bei möglichen Kollisionen in der Luft natürlich auch ein erhebliches Gefahrenpotenzial für die Hubschrauberpiloten dar.“

Hinter der Pandemie abgeduckt

Seit anderthalb Jahren machen Naturschützer und Landwirte in Sachen Hubschraubereinflüge ins Grüne Band massiv Druck. BUND-Ornithologe Olaf Olejnik und Herdenmanager Julius Kurzweg von der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier haben immer wieder den Finger in die Hubschrauberwunde gelegt. Bislang ohne Erfolg. Von verschiedenen Stellen der Bundeswehr wurde zunächst Gesprächsbereitschaft signalisiert, die dann hinter der Pandemie in Deckung ging.

Zuletzt gab die Division Schnelle Kräfte, die im hessischen Stadtallendorf sitzt und für die Koordination der Flüge des Transporthubschrauberregiments 10 „Lüneburger Heide“ in Faßberg verantwortlich sind, am 23. November vergangenen Jahres eine Presseerklärung heraus. Darin wurde auf „die Übung und Ausbildung für die deutsche Landesverteidigung“ gepocht und immer wieder die Notwendigkeit dieser Kriegsspiele herausgestrichen (wir berichteten). Was offen blieb: Warum das gerade über bzw. schon fast im Grünen Band geschehen muss, denn die Heeresflieger gehen mit ihren Hubschraubern fast bis auf Bierflaschenhöhe herunter. Nun hofft der BUND erneut auf Antworten.

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