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Kommentar: Ist der Wolf willkommen? Heilige Kühe melkt man nicht

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Wer darf hier leben und wer nicht? Bei dieser Frage geht es in Deutschland nicht nur um Menschen, sondern auch um Tiere. Wer schon mal da war, kann wiederkommen und bleiben, wer zugewandert ist oder ausgesetzt wurde, hat Pech. So ist es zumindest im Tierreich.

Ulrike Meineke

Der Wolf war schon mal da, also ist er willkommen. Ist er das? Die gefühlte Mehrheit, zumindest auf dem Lande, braucht und will ihn nicht und immer mehr sagen das auch laut. Aber nun ist er da. Streng geschützt. Bloß dem Wolf nichts tun. Bis das schlaue Raubtier das für sich nutzt und in die Siedlungen kommt. So weit ist es ja schon. Und wie schön – er reguliert die Wildbestände, sucht sich die Kranken und Alten. Sagen die Wolfsfreunde. Fakt ist: Er nimmt, was für ihn leichte Beute ist. Muffelwild zum Beispiel. Das werden wir in der Altmark bald nicht mehr haben. Ist ja auch egal – es gehört hier nicht her, der Wolf war früher da. Wer entscheidet darüber, wer hier sein darf und wer nicht?

In der Altmark darf sich Altmärker nennen, wessen Vorfahren in mindestens dritter Generation auf dem Friedhof liegen. Da sind wir ja eigen. Muffel- und Damwild sind zig Jahre hier. Für die Wolfsfreunde gehören sie hier immer noch nicht dazu. Fremdenhass im Tierreich? Soll die Nichtheimischen doch der Wolf holen.

Das macht er ja auch, nur leider frisst er nicht jene Neozoen, die nun wirklich keiner braucht. Waschbären zum Beispiel. Putzig sind sie, aber wenn sie, weil filigrane Kletterer, unsere seit Jahrhunderten heimischen Singvogelarten weggefressen haben, wird das Geschrei groß sein.

Und auch den Biber darf man um Gottes Willen nicht anfassen. Streng geschütztes Nagetier. Na klar steht der Biber für eine intakte Umwelt. Aber wenn wir seinen Bestand nicht regulieren, wird seine Nagerei eine ganz teure Angelegenheit. Ist es schon, denn allein 2015 musste beispielsweise der Unterhaltungsverband Obere Ohre knapp 100 000 Euro aufbringen, um Biberdämme im Drömling zu beseitigen oder zu reduzieren. 2008 waren es noch 65 000 Euro. Das Gros wird aus den Beiträgen der Landeigentümer bezahlt.

Wer wird hier eigentlich wem gefährlich? Der Wolf dem Menschen und unserer multi-kulti Tierwelt. Waschbär & Co. unserer Vogelwelt. Der Biber der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. Heilige Kühe darf man eben nicht melken. Und weil das immer so war, muss das auch immer so bleiben?

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Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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