Irgendwann ist Schluss

Hausärztin Andrea Schilling geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

Hausärztin Andrea Schilling in ihren Praxisräumen im Salzwedeler Ärztehaus
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Eine wohlverdiente Tasse Kaffee gönnt sich Hausärztin Andrea Schilling, die am Mittwoch, 15. September, in den Ruhestand geht. 30 Jahre hat sie ihre Patienten umsorgt und damit ihre Berufung gelebt.
  • VonBernd Zahn
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Irgendwann ist Schluss: Hausärztin Andrea Schilling geht nach 30 Jahren in den Ruhestand. Am Mittwoch, 15. September, hat sie ihre letzte Sprechstunde im Ärztehaus. Danach legt sie das Stethoskop aus den Händen.

Salzwedel – Die Sprechstunde in der Gemeinschaftspraxis Schwertz / Schilling ist zu Ende. Ärztin Andrea Schilling lehnt sich in ihren schwarzen Bürosessel zurück und trinkt genüsslich einen Pott frischen Bohnenkaffee und lächelt. Die Sonnenstrahlen scheinen durch das große Fenster auf ihr Gesicht. Viele Patienten kommen heute in ihre Praxis an der Karl-Marx-Straße. Obwohl ihr Sprechstundenzimmer wie ein kleiner Blumenladen wirkt. Das hat Gründe, denn die Patienten sagen Danke für eine vertrauensvolle, gute Versorgung. Einige bringen ein Geschenk für sie mit, ein Abschiedsgeschenk. Denn nach 30 Jahren im Dienst der Gesundheit wird es Zeit, selbst an die eigene Gesundheit zu denken und das Stethoskop zur Seite zu legen.

Das Telefon stand immer in der Nähe

Am Mittwoch, 15. September, findet ihre letzte Sprechstunde im Ärztehaus statt. Rufbereitschaft, Nachtdienst, Hausbesuche, Altenheimbetreuung und der gigantische Papierkram. Stets das Telefon in der Nähe haben und auf dem Sprung sein, und sie lächelt immer noch. Eine gute medizinische Versorgung für die Bürger sei ihr immer wichtig gewesen, sagt sie und wird nachdenklich.

Bereits ihre Mutter Edeltraud stand im medizinischen Dienst, das hatte Andrea Schilling letztlich auch dazu bewogen, 1980 das Studium der Medizin in Dresden zu beginnen und Hausärztin zu werden. Und auch heute hält sie den Beruf für wichtig. Hausärzte könnten etwas, was weder der Internet-Doktor noch Patienten beherrschen: interpretieren, einordnen, Risiko abwägen. Dafür müssen sie präzise Fragen stellen, aufmerksam beobachten und genau zuhören. Darin war sie perfekt. Und wegen ihrer Freundlichkeit, ihrem Engagement und ihrer Empathie war sie besonders beliebt bei ihren Patienten.

Doch Wehmut und Abschiedsschmerz mag sie nicht wirklich zulassen. Andrea Schilling ist gerührt, das merkt man. Manche Familien hat sie über mehrere Generationen kennengelernt und versorgt. Da waren nicht nur Medizin und Blutdruckmessung gefragt, da liefen auch oftmals Tränen am Beratungstisch über die Gesichter der Patienten. Aber, sagt Andrea Schilling bescheiden, sie habe doch all die Jahre nur ihren Job gemacht, ihre Berufung gelebt, drei Kinder großgezogen.

Tipps gegen Rückenprobleme

„Man bekommt viel menschliche Wärme zurück, wenn man sie auch geben kann.“ Sie kann aber auch mit der Faust auf den Tisch hauen, raunt die Sprechstundenhelferin mit einem schelmischen Lächeln zu. Und der fragende Journalist bekommt gleich noch ein paar Hinweise zu seinen Rückenproblemen mit auf den Weg, kostenfrei. Andrea Schilling hat ihren Beruf, ihre Berufung immer gerne gemacht, aber irgendwann ist Schluss. Denn sie möchte nicht wie ein „ausgelutschter Bonbon enden“, sagt sie und muss selbst lachen. „Danke an meine Patienten, die mich mehr als 30 Jahre begleitet und mir die Treue gehalten haben.“

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