Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion in Kraft

Die Ostdeutschen wollten die D-Mark und wählten sie

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Der geliebte Trabi, nun ein Schmuddelkind. Den neuen „Westwagen“ ließen sich viele viel zu viel kosten.

Altmark. Was wird aus dem Euro, wenn Griechenland die gemeinsame Währung verlässt? Diese Frage treibt heute vielen die Sorgenfalten auf die Stirn. Vor genau 25 Jahren bewegte eine andere Geldfrage die Menschen.  

Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zwischen Bundesrepublik und DDR in Kraft. Die Ostdeutschen wollten die D-Mark und wählten sie.

Die erste freie Volkskammerwahl am 18. März gewann die Allianz für Deutschland haushoch. Christlich Demokratische Union (CDU), Deutsche Soziale Union (DSU) und Demokratischer Aufbruch (DA) bildeten das Wahlbündnis, das sich die schnelle Einheit Deutschlands auf die Fahnen geschrieben hatte. Der Wahlausgang war eine Riesenüberraschung.

Ähnlich sah das Ergebnis der Kommunalwahlen am 6. Mai aus. Im Stendaler Kreistag wurde die CDU mit 34,4 Prozent stärkste Fraktion, gefolgt von der SPD (29,8 Prozent). Die aus der SED hervorgegangene Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) erreichte 12 Prozent. Mit den Wahlen endete die „Herrschaft der Runden Tische“. Unter dem Druck der Proteste hatte die SED-PDS die Macht in die Hände dieser basisdemokratischen Gremien gelegt.

Es war eine aufregende Zeit, voller Veränderungen. „Soziale Marktwirtschaft“ hieß das Zauberwort. Es weckte Begeisterung und Ängste, brachte Freude und Leid. Partner aus dem Westen halfen mit Knowhow und Geld. Als Soforthilfe erhielt Stendal im Februar 1,2 Millionen D-Mark vom Land Nordrhein-Westfalen. Die Partnerstadt Lemgo gab noch einmal eine halbe Million hinzu.

Dann der große Tag, der fast alles veränderte. Am 1. Juli rollte in gepanzerten Transportern die D-Mark an. Bürger ab 60 Jahren durften bis zu 6000, Erwachsene bis zu 4000 und Kinder bis 14 Jahren bis zu 2000 DDR-Mark zum Kurs von 1:1 in D-Mark umtauschen. Für Summen darüber betrug der Wechselkurs 1:2. Tausende standen am ersten Tag, einem Sonntag, vor den Sparkassenfilialen. Allein in der Geschäftsstelle Tangerhütte waren bis 16 Uhr 1,3 Millionen D-Mark ausgezahlt.

Über Nacht glich das Warenangebot in den Geschäften dem im Goldenen Westen. „Konsum“ und „Kaufhalle“ hießen nun „Shop“ oder „Supermarkt“. Und die Menschen kauften die bunten Sachen. Die gewohnten eintönigen DDR-Produkte waren plötzlich nicht mehr gefragt. Die Zeiten, in denen die Wartezeit auf ein Auto mehr als zehn Jahre betrug, waren auf einen Schlag passé. Mit der Währungsunion gingen Wirtschafts- und Sozialunion einher. Die zentrale Planwirtschaft wurde durch die soziale Marktwirtschaft ersetzt, die Volkseigenen Betriebe (VEB) der Treuhandanstalt übergeben. Ein Angstwort machte die Runde: Arbeitslosigkeit. Harte Zeiten brachen an.

Von Christian Wohlt

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