Marian Stütz ist besorgt über die jüngsten Vorkommnisse / Polizei: Ermittlungen dauern an

„Hansa war nicht Ziel des Angriffs“

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Der Angriff am und auf das „Hanseat“ machen den Chef des Soziokulturellen Zentrums, Marian Stütz, und seine Mitarbeiterin wütend. Sie sind gegen Gewalt.

Salzwedel. Die jüngsten Ereignisse erhitzen die Gemüter der Salzwedeler. Fassungslosigkeit. Vermeintlich Rechte – die Angreifer waren vermummt – attackierten am späten Freitagabend mit Baseballschlägern und Axtstielen das „Hanseat“.

Dabei wurde ein 17-Jähriger schwer verletzt. Zwei Tage später reagierte die linke Szene: Eine unangemeldete Demonstration zog durch die Innenstadt. Die Veranstaltung verlief weitestgehend friedlich, so die Polizei.

Die Ermittlungen der Kripo dauern derzeit noch an. Ein 19-Jähriger aus der Gruppe der Angreifer, konnte noch in der Tatnacht festgenommen werden. Es gibt laut dem Pressesprecher der Salzwedeler Polizei, Frank Semisch, „viele Anzeigen und Zeugen“ zu dem Vorfall vom Freitag. „Das Hansa war aber nicht Ziel der Attacke gewesen“, betonte Semisch. So soll eine als rechtsorientierte Gruppe vor dem Hansa stehende Jugendliche angegriffen haben, wobei auch das Gebäude selbst in Mitleidenschaft gezogen wurde (wir berichteten).

„Hanseat“-Chef Marian Stütz ist über die Ereignisse vom Freitag „zutiefst bestürzt“. Zudem verstehe er die Menschen nicht mehr, die auf den Straßen Krawalle inszenieren, anderen Menschen Schaden zufügen und Häuser sowie Gegenstände demolieren. „Ob es ein gezielter Angriff auf das Hansa war, oder ob die Vermummten eine bestimmte Person im Visier hatten – das kann ich nicht sagen“, knüpfte Marian Stütz an. Und: „Spekulieren wäre wie Öl ins Feuer kippen. Bei der an sich schon angespannten Situation in der Stadt“.

Claudia Gentz, Mitarbeiterin im „Hanseat“, die zur Tatzeit hinter dem Tresen stand, ist immer noch geschockt. „Die Gäste sprangen plötzlich vom Sofa auf. Hinter ihnen zerbarst die Scheibe, die eingeschlagen wurde. Ich habe am Anfang nicht wirklich realisiert was gerade passiert“, sagte Gentz. Es sei alles ziemlich schnell gegangen. Einzelne Besucher des Lokals rannten nach draußen, auch Gentz lief hinterher. „Ich sah nur noch, wie eine Gruppe Vermummter weglief“, schilderte sie. „Dann sah ich den Verletzten. Wir leisteten sofort Erste Hilfe.“ Es tropfte viel Blut, erinnert sich Gentz.

Zu den Vorkommnissen rund um das „Hanseat“ meldete sich auch Christian Franke, ehemaliger Landesvorsitzender der Bündnis 90 / Die Grünen: „Über das Ausmaß dieses gezielten Angriffs sind wir zutiefst erschüttert. Die Zeiten des Herumlavierens und Beschwichtigens sollte jetzt bei allen politischen Verantwortungsträger endlich vorbei sein. “

Von Paul W. Hiersche

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