Hannes Arendt hat trotz Muskelschwund eine Ausbildung begonnen

„Ich werde das schaffen“

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Hannes Arendt mit seinem „Schatten“ Konstantin Romalis, der ihm während der Arbeit zur Seite steht. Arbeitsagentur-Chef Markus Nitsch (kleines Bild / r.) ehrte Unternehmer Jost Fischer für sein Engagement.

Salzwedel. „Mir geht es gut. Ich werde das schaffen“, hat Hannes Arendt voller Optimismus eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement begonnen. Der Weg dahin ist mit einer alltäglichen Lehrstellensuche kaum zu vergleichen.

Denn der Kemnitzer ist unheilbar an Muskelschwund erkrankt und auf einen Rollstuhl angewiesen. In den beiden Salzwedeler Lessing-Schulen nahm er so manche Hürde, mit Unterstützung von verschiedenen Stellen wurden die Einrichtungen behindertengerecht.

Nun folgte der nächste Schritt. „Ich habe oft gezweifelt“, gestand Mutter Annett Arendt bei einem Pressegespräch. Denn auch öffentliche Stellen wie Kreis- und Stadtverwaltung können die nötigen Voraussetzungen nicht bieten. Dann entwickelte sich aber alles positiv. Durch ein Praktikum konnte Hannes Arendt bereits den Betrieb von Jost Fischer kennenlernen. Der Geschäftsführer setzte viele Hebel in Bewegung. Da die Büroräume am Chüdenwall für Menschen mit Einschränkung nicht optimal sind, musste eine Alternative her. Diese wurde im Salzwedeler Gemeindezentrum St. Georg gefunden.

„Ich habe mit dem Kirchenratsvorsitzenden gesprochen. Dann war es kein Problem mehr“, schmunzelte Jost Fischer. Denn er selbst besetzt diesen ehrenamtlichen Posten. Eine passende Software wurde installiert. Diese ermöglicht dem 18-Jährigen, Befehle per Sprache zu geben. So kann er zum Beispiel Texte schreiben. Außerdem steht ihm Konstantin Romalis als ständige Hilfe zur Seite.

Von den optimalen Bedingungen überzeugte sich Markus Nitsch, Chef der Stendaler Arbeitsagentur, am Donnerstag im Rahmen der „Woche der Menschen mit Behinderung“. „Dies ist ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann. Wir haben viel Potenzial, das noch nicht abgerufen wird und könnten damit den Fachkräftemangel mildern“, machte er Unternehmen Mut, Menschen mit Einschränkungen einzustellen. Die nötige Unterstützung dazu bietet die Arbeitsagentur. Rehabilitationsberaterin Sandra Thimian weiß, wo Hebel angesetzt werden können, damit alles funktioniert. So galt es zum Beispiel spezielle Absprachen mit der Salzwedeler Berufsschule zu tätigen. Wenn Hannes Arendt eine Arbeit schreibt, sagt er die Lösung Konstantin Romalis, der sie dann aufschreibt. Doch in einem normalen Klassenzimmer geht das nicht, denn es würden ja alle die Lösung hören. Darum benötigt der Kemnitzer in diesen Fällen einen Extra-Raum. Doch diese Schwierigkeiten halten den 18-Jährigen nicht davon ab, seinen Traum zu verwirklichen. Jost Fischer schloss am Donnerstag nicht aus, ihn nach er Lehre zu übernehmen.

Solche Fälle gibt es in der Altmark eher selten. Von den 10 475 Arbeitslosen sind 376 Schwerbehinderte (144 im Altmarkkreis). Die Beschäftigungspflicht von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung liegt bei 5 Prozent. In der Altmark sind es derzeit aber nur 3,5 Prozent. Unternehmen, die sich daran nicht halten, müssen Ausgleichszahlungen leisten. Mit diesen Geldern werden Arbeitnehmer wie Hannes Arendt unterstützt.

Von Christian Ziems

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