Bilanz nach 40 Jahren Erfolg

„Das Handwerk stirbt aus“ – versierter Meisterbetrieb aus Salzwedel findet keinen Nachfolger

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Meister Heinz Frommhagen feiert sein 40. Firmenjubiläum und findet keinen Nachfolger. Der Henninger steht mit 68 Jahren immer noch selbst an der Werkbank. Ihm haben es vor allem knifflige Aufträge angetan.

Henningen – Knifflige Arbeiten, die Liebe zum Detail, handwerkliches Können, künstlerisches Arbeiten und das alles mit einer Prise seines ihm eigenen Humors gewürzt zeichnen „Chef selber“ – wie auf seinem Blaumann zu lesen ist – aus.

Der Tausendsassa ist Schlossermeister Heinz Frommhagen aus Henningen. Er hat sein Unternehmen in der DDR aufgebaut. Nach der Wende übernahm er Spezialaufträge für Scheichs, Svarowski, das Kanzleramt und den BND.

Kunst am Bau liefert Heinz Frommhagen gleich mit – sei es die Schraubzwinge an seinem Schornstein oder die Pistole an der Regenrinne des Salzwedeler Polizeireviers.

Am Sonnabend feiert Heinz Frommhagen sein 40-jähriges Betriebsjubiläum. Natürlich zusammen mit seinem besten Gesellen, wie er sagt – seiner Frau Hannelore. Die hat dann auch schon mal Zeitungen ausgetragen, um die Familie über Wasser zu halten, als es gleich nach der Wende mit Aufträgen ziemlich mau aussah. Aber „Meister selbst“ boxte sich durch, machte sich einen Namen in ganz Europa. Nun, seit drei Jahren eigentlich in Rente, arbeitet Heinz Frommhagen immer noch. Er braucht das. Aber es hapert an einem – einem Nachfolger, der die Firma übernimmt. Damit ist der Henninger in der gleichen Situation wie viele deutsche Mittelständler.

„Die Heuschrecken waren schon hier“, sagt Frommhagen. Doch die bissen bei dem Henninger auf Granit. Seine Hoffnungen ruhten zunächst auf seiner Tochter Steffi. Sie hat bei „Chef selber“ den Schlosserberuf erlernt. Als sie ihrem Vater gestand, dass sie sein Geschäft nicht übernehmen werde, „war ich eine ganze Zeit lang geknickt“, gesteht der Meister. „Jetzt sehe ich das sehr gelassen“, so Frommhagen. Und ist sich sicher: „Das Handwerk stirbt aus. Dann kommen chinesische Kolonnen und richten hier die Häuser.“

Vielleicht verkaufe er auch seine Maschinen und vermiete die Hallen zum Unterstellen von Wohnanhängern und Booten, sinniert der Meister über seinen Plan B. Doch man merkt ihm an, dass dieser ihm nicht so richtig schmeckt. Heinz Frommhagen will, dass seine Firma gern weiter besteht. Er würde einem Nachfolger helfen – mit handwerklichen Kniffen und mit Kontakten zu seinen Kunden, die solides Handwerk zu schätzen wissen.

Zudem steckt zu viel Herzblut von Heinz Frommhagen in dem Unternehmen. „Ich bin ein Kind des VIII. Parteitags der SED“, schmunzelt der Henninger. Denn dort wurde beschlossen, private Firmen wieder zuzulassen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Frommhagen als Schlosser in der Salzwedeler Möbelfabrik. Und setzte von nun an alles daran, „Chef selber“ zu werden. Mit viel persönlichem Einsatz schafften es Heinz und Hannelore Frommhagen trotz aller Widrigkeiten in die Selbstständigkeit. 1979 gab es die ersehnte Zulassung. Der nun Selbstständige sollte die DDR-Bevölkerung mit Ofenrohren, Türen, Toren und Geländern versorgen. Auch für die Salzwedeler Pumpenfabrik und den Magdeburger Vakuum- und Kompressorbau (Vakoma) war der Henninger Zulieferer. Sein Stundenverrechnungssatz betrug damals 4,77 DDR-Mark. Mit der Wende brachen die Aufträge weg, Frommhagen ging Klinkenputzen – zunächst erfolglos. Bei den Stadtwerken Uelzen hatte er Glück – eine Zusammenarbeit, die bis heute hält. Frommhagen stieg ins Abgasgeschäft ein, baute Rohre, Gehäuse, Rußfilter und Katalysatoren in ganz Europa ein. Immer getreu nach seinem Motto: „Lehrling ist jedermann; Geselle ist, wer was kann; und Meister ist, der was ersann.“

VON HOLGER BENECKE

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