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Halten Salzwedeler Unternehmer die Gaspreisbremse für ausreichend?

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Von: Armon Böhm, Christian Reuter

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Illustration zum Gaspreis
Der Staat will Unternehmen und Bürger über die Gaspreisbremse finanziell entlasten. Doch reicht dies aus, um durch den Winter und die Energiekrise zu kommen? © Patrick Pleul / DPA

Die aktuelle Inflation betrifft besonders die Energiekosten. Eine sogenannte Gaspreisbremse soll allerdings schon bald für Entlastung sorgen. Wie weitgehend diese Maßnahme nun hilft und ob diese Entlastung ausreichend ist, ist aber umstritten. Die Altmark-Zeitung wandte sich an einige Salzwedeler Unternehmerinnen und Unternehmer, um ihre Einschätzungen und die aktuelle Lage zu erfragen.

Salzwedel. Doch erst einmal ganz von vorne. Was genau macht diese geplante Gaspreisbremse? Im Grunde macht sie genau das, was der Name suggeriert: Sie bremst den Anstieg der Preise. Für 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs sollen Haushalte und kleine sowie mittlere Unternehmen einen Gas-Bruttopreis von 12 Cent pro Kilowattstunde garantiert bekommen. Die restlichen 20 Prozent des Verbrauchs sollen weiterhin mit den Preisen des Anbieters berechnet werden. Ähnlich sieht es bei Wärmekunden aus. Dort soll der Preis ebenfalls für 80 Prozent bei 9,5 Cent gedeckelt werden. Geplant ist diese Maßnahme für Anfang 2023.

„Luft nach oben ist sicherlich immer“, äußert Rainer Neitzel, Geschäftsleiter der Buchhandlung Leseland. Bisher habe er aber auch noch keine höhere Gasrechnung von seinem Anbieter erhalten und könne die Situation noch nicht genau einschätzen. Er versuche natürlich dennoch, sowohl mit seinem Geschäft als auch im privaten Raum sparsam zu sein, aber die Gaspreisbremse helfe sicherlich. Zumindest für den Anfang, denn irgendwer müsse solche Maßnahmen schließlich bezahlen.

Bereits im August sprach die AZ mit Neitzel über die steigenden Energiekosten und was er dagegen unternehme. Mit einem Projekt, das er vor etwa vier Monaten vorstellte, habe er bereits begonnen: mit dem Wechsel auf LED-Beleuchtung. Allerdings bräuchte er dabei noch ein wenig Hilfe von einem Elektriker.

Ähnlich sieht das Miklos Woidt, Angestellter im Toma Bike Shop, mit dem die AZ ebenfalls schon im August sprach. „Könnte natürlich immer mehr sein, aber besser als nichts“, sagt Woidt nun, der bereits im früheren Gespräch Sorgen über die Heizkosten im Winter mitteilte. Mittlerweile müsse man heizen, versuche aber, dabei sparsamer zu bleiben.

Klaus Meyer, Marktleiter der Obi-Filiale Salzwedel, vertritt hingegen einen völlig anderen Standpunkt. „Ich persönlich halte davon überhaupt nichts. Man sollte den Markt einfach Markt sein lassen. Der Markt regelt sich selbst“, erzählte Meyer im AZ-Gespräch. Zwar kämpfe man wie jedes andere Unternehmen auch ums Überleben, doch solche Maßnahmen seien laut Meyer nur imaginär. „Wann immer ein Land versucht hat, in den Markt einzugreifen, ist nie etwas dabei rausgekommen“, verdeutlicht Meyer.

Ein weiterer Geschäftsführer wollte namentlich nicht genannt werden, kritisierte aber die verspätete Reaktion der Regierung. „Man hätte schon im Sommer darauf kommen können, aber jetzt ist es Winter“, äußerte er. Gleichzeitig räumte er aber auch ein, dass man immer reden könne, wenn man nicht in der Position sei, zu entscheiden.

Peter Roßbander, Inhaber von „Fahrrad Rossi“, zeigt sich verärgert: „Die Bundesregierung soll eine vernünftige Politik machen und nicht mit denen stänkern, von denen sie das Gas kriegen.“ Er habe erst vor zwei Jahren eine neue Gasheizung einbauen lassen. Im Geschäft versuche man zu sparen, wo es nur geht.

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