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Halbes Prozent entschied über Sieg und Niederlage

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Von: Lydia Zahn, Jens Heymann

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Stichwahlen für das Bürgermeisteramt in Salzwedel sind wahrlich keine Langweiler. Auch das Duell am Sonntag zwischen dem späteren Sieger Olaf Meining (parteilos / für SPD angetreten) und Kontrahent Hendrik Stiller (CDU) hielt diejenigen, die die Auszählung im Internet verfolgten, bis zuletzt in nervöser Spannung. Aufregender als das parallel laufende Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar war es auf jeden Fall.

Salzwedel – Aber welche Schlüsse lassen sich nun aus den Wahlergebnissen ablesen? Zunächst drängen sich Parallelen zur Landratswahl im Frühjahr auf. Auch dort siegte CDU-Kandidat Andreas Kluge im ersten Wahldurchgang, um in der Stichwahl gegen SPD-Mann Steve Kanitz zu verlieren. Immerhin entging Stiller dem Schicksal von Kluge, in der zweiten Runde weniger absolute Stimmen zu holen als in der ersten.

Ausschlaggebend für den Sieg am Sonntag war die Briefwahl (insgesamt 1994 Stimmen). Auch deshalb, weil die Anzahl der Briefwähler im Vergleich zur ersten Runde zwei Wochen zuvor im geringeren Maße zurückgegangen war (rund fünf Prozent) als die der Urnenwähler (rund 16 Prozent). Bevor die Briefstimmen ausgezählt und bekannt gegeben wurden, lag noch der Christdemokrat mit bis zu 70 Stimmen vorne. Doch 53,83 Prozent der ersten und 51,96 Prozent der zweiten Briefwahl gingen auf Meinings Konto und er damit endgültig in Führung.

Was überraschte, waren die Zahlen aus dem Ortsteil Liesten. Dort holte Meining in der ersten Runde nur knapp elf Prozent; in der Stichwahl jedoch drei Stimmen mehr als Stiller – und das als Vertreter der in Liesten ungeliebten Stadtverwaltung.

Wohin sind eigentlich die Stimmen der im ersten Durchgang ausgeschiedenen Kandidaten gegangen? In einigen Wahlbezirken lässt sich das recht gut nachvollziehen. Beispiel: Im Hort „Pedro und Janina“ legte Meining kräftig zu; um fast die Stimmenanzahl, die zuvor Marco Heide als Linke-Kandidat erhalten hatte. Stiller blieb hingegen weitgehend bei seinem Erstergebnis. Ein ähnlicher Trend, wenngleich abgeschwächt, lässt sich etwa für den Wahlbezirk Jenny-Marx-Turnhalle herauslesen.

Apropos Jenny-Marx-Turnhalle: Dort gingen die wenigsten wählen – nur 18,93 Prozent. Mit 43,18 Prozent haben in Kemnitz / Ziethnitz prozentual die meisten Bürger ihr Kreuz gesetzt; so war es auch schon am 6. November gewesen. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei 38,84 Prozent und ist somit im Vergleich zur ersten Runde um 6,04 Prozent bzw. 1189 Wähler gesunken.

So oder so, die Wahl steht fest. Wenn auch nur ein halbes Prozent, 44 Stimmen, ausschlaggebend war: Olaf Meining wird Bürgermeister und darf umziehen. Denn wie er zu seinen Gästen im „Hanseat“ sagte und sich dafür eines „Monopoly“-Vergleichs bediente, heißt es für ihn am 16. März 2023: „Rücken Sie vier Felder vor“. Denn Meining sitzt als Stadtkämmerer in Zimmer 26, das Bürgermeisterzimmer hat die Nummer 22.

Nicht ins Rathaus einziehen darf Hendrik Stiller. Der Christdemokrat nahm seine Niederlage mit Fassung. Er ist stolz, „einen fairen Wahlkampf geführt“ zu haben und wünscht sich, dass Meining vielleicht das eine oder andere aus seinem „Neustart“-Programm aufnimmt.

Alle Zahlen der Bürgermeisterwahl sind hier zu finden oder über die Verlinkung auf der Internetseite der Hansestadt Salzwedel.

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