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Händler auf dem Bauernmarkt sind sich einig: Weniger Kunden seit Corona

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Von: Lydia Zahn

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Dirk Naumburg (l.) weiß, zurzeit sind besonders Astern gefragt, weil die Schnittblumen auch bei den heißen Temperaturen lange halten. © Zahn, Lydia

So langsam erhole sich der Markt zwar wieder, aber das Sommerloch und die Urlaubs- und Ferienzeit würden das Geschäft erneut bremsen, war gestern auf dem Salzwedeler Bauernmarkt zu hören. Jeden Donnerstag ist dieser in der Bauernmarkthalle am Gerstedterweg zu finden.

Von Lydia Zahn und Armon Böhm

Salzwedel – Seit 2004 hat die Beetzendorferin Heidi Riemland einen Stand auf dem Markt, verkauft dort Wolle und alles, was dazugehört. Was ihr in den vielen Jahren aufgefallen ist: Die Händler-, aber auch die Kundenzahl hat abgenommen. „Vor allem durch die Corona-Zeit, das hat ganz viel ausgemacht“, ist sich Riemland sicher.

Eine ihrer Stammkundinnen, Erika Brüning, die sich gerade nach einer neuen Mütze umschaut, fügt hinzu: „Es sind viele weggegangen oder gestorben.“ Seit vielen Jahren fährt die Dannenbergerin mit ihrem Mann extra nach Salzwedel, um zum Bauernmarkt zu kommen. „Wir fühlen uns hier einfach so wohl. Es ist familiär, und man kennt sich“, erzählt sie.

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Heidi Riemland hält für ihre Stammkundin Erika Brüning den Spiegel hoch. © Zahn, Lydia

So geht es auch Monika Giesser und ihrem Mann. Das Ehepaar komme jede Woche, um Mittag zu essen, mit anderen ins Gespräch zu kommen und vor allem, um regionale Produkte zu kaufen. „Der Bauernmarkt hat alles, was man braucht“, sind sich die beiden einig. Von frischem Obst und Gemüse über Fleisch und Fisch bis hin zu Textilien und Schnittblumen ist in der Halle alles zu finden.

Und Letzteres ist zur Zeit besonders beliebt. Wie Dirk Naumburg vom Blumengeschäft Maiko Fleischer der AZ erzählt, sind besonders Astern gefragt. „Die halten lange, auch bei der Hitze“, weiß der Florist. Aber auch Sonnenhut, Dahlien, Schleierkraut und Rittersporn kämen gut an.

Zwar war die Nachfrage bei dem Stand recht hoch, dennoch sei Naumburg, wie auch anderen Händlern, aufgefallen, dass die Kunden weniger würden. „Vor Corona waren es mehr“, ist er sich sicher. Der Florist wünscht sich aber vor allem mehr jüngere Kundschaft. „Die jungen Leute fehlen einfach. Aber die haben wahrscheinlich keine Zeit dafür“, spekuliert er.

Und mit dieser Vermutung scheint er nicht ganz falsch zu liegen. Mehrere Kunden erzählten gestern im Gespräch, dass sie gerne öfter kommen würden, es zeitlich aber nicht gehe.

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Seit DDR-Zeiten fährt Thomas Gießel bereits Märkte an. Hauptberuflich steht er seit 2000 hinter Ständen. © Zahn, Lydia

Um die wenige Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen, versucht Obst- und Gemüsehändler Thomas Gießel, die Preise konstant zu halten. „Um 50 bis 60 Prozent haben sich meine Wareneinkäufe durch die Inflation verteuert. Ich habe aber trotzdem Kartoffelpreise auf dem Markt wie in alten Zeiten“, berichtet Gießel. Damit versuche er, die Kunden zu halten.

„Zum Geldverdienen ist das jetzt nicht, sondern nur zur Kundenpflege“, erklärt der Händler. Das läge zudem auch an den heißen Temperaturen. An die müsse das Sortiment natürlich angepasst werden. Denn: „Im Sommer sind Beeren und manchmal auch Melonen und Kirschen besonders gefragt.“ Dem stimmt eine Rentnerin mit einem Lächeln zu, die gerade mit ihrem Mann eine Schale voller Heidelbeeren genießt.

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