145 Tage und 16 Feuer weiter – noch immer keine Spur / Verängstigte Bürger fordern Bürgerwehr

Gruppe „Schaper“ hat „Ansätze“

Beim jüngsten Brand am Freitag am Nicolaiplatz – es war der dritte an der gleichen Stelle – bemerkte eine Nachbarin das Feuer. Dadurch konnte eine 82-jährige Frau aus dem Haus gerettet werden. Foto: Heide

Salzwedel. Eine Brandserie von wenigstens 16 Feuern hält die Hansestädter seit April in Atem. Nun konzentrieren sich die Feuer immer mehr auf das Areal am Bürgercenter, Sitz der Stadtverwaltung.

Dort raubten die Flammen am Freitag einem Polsterermeister die Existenz und beinahe auch seiner 82-jährige Mutter, die sich in dem Haus aufhielt das Leben (wir berichteten).

Fünf Tage nach dem jüngsten und fünf Monate nach dem ersten Brandanschlag ist die Polizei noch keinen Schritt weiter. „Sicherlich werden ein paar Leute betrachtet, aber wir haben keinen bestimmten Tatverdächtigen. Wir gehen mehreren Ermittlungsansätzen nach“, sagte gestern Frank Semisch, Sprecher des Salzwedeler Polizeireviers. Über Maßnahmen schweigt er sich „aus taktischen Gründen“ aus.

An der Brandserie arbeitet die so genannte Ermittlungsgruppe „Schaper“. Nach einem verheerenden Feuer, das bei dem Großhändler am 13. Mai gelegt wurde, erhielt die Gruppe diesen Namen. Damals wurden auch 1000 Euro vom Polizeipräsidenten ausgelobt. Dieses Geld steht auch bei Hinweisen auf die anderen Brände der Serie zur Verfügung.

Die Streifentätigkeit wurde offenbar auch nach dem Feuer am Freitag, bei dem erstmals Menschenleben in Gefahr waren, offenbar nicht verstärkt. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir bestimmte Orte im Blick“, erwidert Semisch. Und weiter: „Wir fahren an bestimmten Schwerpunkten verstärkt Streife.“ Ob dabei zusätzliche Kräfte zum Einsatz kommen oder die wenigen vorhandenen Schutzleute dafür andere Stadtteile vernachlässigen müssen, ließ er offen. Nur so viel: „Zu bestimmten Situationen haben wir manchmal zusätzliche Kräfte.“ Ob derzeit eine „bestimmte Situation“ herrsche bzw. zusätzliche Streifen in Salzwedel eingesetzt werden – dazu hielt sich der Sprecher bedeckt.

In der Vergangenheit seien nachts in Salzwedel Einheiten der Bereitschaftspolizei eingesetzt worden. Ob dies wieder geschehe, auch das ließ Semisch offen. „Wir werden von der Polizeidirektion unterstützt“, lenkte er ein. Ebenso wollte er zu einer Handyortung an den vorwiegend in der zweiten Nachthälfte an dann einsamen Orten gelegten Bränden keine Auskunft geben.

Doch die Bürger sind in Angst, hoffen Nacht für Nacht, dass nicht ihr Haus brennt. Die Hansestädter fordern, dass die Polizei den oder die Brandstifter endlich schnappt.

Niemand will vor die Kamera treten oder gar seinen Namen nennen, weil alle befürchten, dass der Brandstifter sie dann als nächste heimsucht. Die Salzwedeler haben Angst, sind aber auch erzürnt. Da die Polizei nach fünfmonatiger Ermittlung noch keinen Täter gefasst hat, die Brände aber immer schlimmer werden und seit Freitag eine neue, erschreckende Dimension angenommen haben, wird der Ruf nach einer Bürgerwehr immer lauter.

Von Holger Benecke

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